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Anja

unregistriert

1

Donnerstag, 4. Mai 2017, 22:46

Wie kann ich meiner Nichte und ihrem Lebensgefährten helfen?

Hallo liebe Sterneneltern,

in den letzten Tagen habe ich hier im Forum viel gelesen. Ihr habt alle so viel Trauriges erlebt, es tut mir für jeden Einzelnen von euch so leid. Ich möchte mich bei euch allen bedanken, dass ihr eure Erlebnisse und Erfahrungen hier nieder schreibt. Es hilft uns (den Angehörigen) besser zu verstehen, was gerade in dem Leben der Eltern passiert. Auf einige Fragen konnte ich keine Antworten finden, darum hoffe ich, dass ihr mir helfen könnt.


Letzten Samstag (29.04., am frühen Morgen) haben meine Nichte und ihr Lebensgefährte ihre kleine Tochter im 5. Monat tot zur Welt gebracht.
Als meine Nichte schon in den Wehen lag, rief sie mich an und sagte mir, dass ihr Baby tot ist, dass sie in den Wehen liegt. Daraufhin habe ich sofort ihre Eltern angerufen, die dann ins KH gefahren sind. Meine Schwester war bei der Entbindung dabei. Ich bin erst später dazu gekommen, da das Taxi gefühlte Stunden gedauert hat.
(Falls ihr euch fragen solltet, warum meine Nichte mich und nicht sofort ihre Eltern angerufen hat - kann ich nur vermuten: sie weiß, dass ich an den Wochenenden immer lange auf bin und sie mich kurzerhand erreichen konnte)

Die Schwangerschaft war für meine Nicht nicht leicht, der Kleinen ging es jedoch, laut FA, immer gut.



Über WhatsApp habe ich beiden Eltern einige Stunden später geschrieben, wie leid es mir tut, wie traurig auch ich bin und das ich jederzeit für sie da bin, sei es um nicht allein zu sein, sei es um wütend um sich zu toben, sei es um laut zu schreien, sei es um in den Arm genommen zu werden, sei es um zu weinen, sei es um zu reden oder um gemeinsam nur da zu sitzen und zu schweigen

Gestern (Mittwoch) hab ich den Eltern ein Buch "Flieg, kleiner Schmetterling: Gedanken zur Trauer um ein Kind" und ein paar Süßigkeiten an die Haustür gehängt. (Sie möchten im Moment noch niemanden sehen)

Heute hab ich per WhatsApp geschrieben, dass ich am Nachmittag einkaufen fahre, ob sie etwas brauchen



Ist das zu viel? Nerve oder störe ich?

Was ist zu viel, was ist zu wenig?


Samstag ist die Totgeburt eine Woche her: soll ich was an die Haustür hängen (Blumen, Herz, Pralinen,...)?
Bald ist Muttertag, meine Nichte ist jetzt Mutter: soll ich ihr eine Kleinigkeit schenken?
Wie gehe ich mit dem Geburts- = Todestag in der Zukunft um?
Mein Gedanke ist: bis zum ersten Geburts- = Todestag jeden Monat am 29. eine kleine Geste machen, damit sie wissen, ich denke an sie .... und dann jedes Jahr am 29.04. eine kleine Geste, damit sie weiterhin wissen, ich denke an sie und auch ich habe unsere kleine M nicht vergessen, ich vermisse sie auch, ihr seid nicht allein.


Ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll. Sie sollen immer wissen, dass ich für sie da bin, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind, dass auch ich die Kleine geliebt habe bzw sie liebe. Aber ich möchte sie auch nicht immer wieder daran erinnern, wenn sie mal einen Moment haben, in dem sie nicht traurig sind.


Was wünscht ihr euch von euren Freunden und Verwandten?
Was stört euch? Was darf/soll ich machen, was nicht?


Ich war in meinem Leben noch nie so hilflos und hoffe, dass ihr mir helfen könnt, dass Richtige für meine Nichte und ihrem Lebensgefährten zu tun




Vielen Dank schon im Voraus und ich wünsche euch allen, dass ihr euren Weg findet, trotz eures traurigen Schicksals, ein glückliches und schönes Leben zu führen.


VG Anja

Klara

unregistriert

2

Freitag, 5. Mai 2017, 17:11

Hallo Anja,

mir tut es sehr leid, dass du deine Großnichte verloren hast!

Ich finde, dass du schon sehr viel richtig machst intuitiv: signalisieren, dass du da bist, für sie einkaufen, an jedem Monatstag und später an jedem Jahrestag an die Kleine denken und das in einer Geste zeigen.
Du kannst deiner Nichte von diesem Forum erzählen, damit sie sich austauschen kann. Du kannst ein Erinnerungsbuch für die Kleine kaufen (es gibt bei Amazon so Erinnerungsbücher, ich habe keins, aber manchen hilft das!).

Dein Satz: "Bald ist Muttertag, meine Nichte ist jetzt Mutter: soll ich ihr eine Kleinigkeit schenken?" hat mich besonders positiv berührt. Du hast vollkommen recht: sie ist Mutter! Und ich finde es eine wunderschöne Idee, ihr etwas zum Muttertag zu schenken. Vielleicht muss da nicht unbedingt fett "zum Muttertag" oder so draufstehen. Das kannst du ihr ja auch mündlich sagen oder in eigenen Worten besser zum Ausdruck bringen.

Was ich mir von Freunden und Verwandten wünsche ist, dass sie meinen Sohn bei seinem Namen nennen. Das tun viele nicht, weil sie sich nicht trauen oder weil sie Angst davor haben, ich weiß nicht warum. Ich kenne die Motive nicht. Auf jeden Fall ist es sehr verletzend. Sprich über deine Großnichte und nenne sie beim Namen.
Die Angst, du könntest die Eltern in starken Momenten an ihre Tochter erinnern, ist glaube ich unbegründet. Ihre Tochter ist immer in ihren Gedanken und in ihren Herzen, sie erinnern sich immer an sie, auch in starken Momenten.
Wenn sie irgendwann wieder einen Kinderwunsch haben oder neu schwanger ist, dann ist es wichtig, dass du die erste Tochter trotzdem nicht vergisst und auch signalisierst, dass sie weiterhin die großte erste Tochter und deine Großnichte bleibt, egal wie viele Kinder da noch kommen.
Ich selbst habe keine Folgekinder bisher, aber ich würde mir wünschen, dass mein Umfeld damit nicht so umgehen würde als wäre mein erster Sohn jetzt ersetzt oder als wäre "alles wieder gut" oder so.

Was auch wichtig ist, dass man nicht vergisst, dass die beiden Eltern am meisten darunter leiden. Natürlich vermisst du trotzdem deine Großnichte und deine Schwester vermisst ihre Enkelin, keine Frage. Aber man darf nicht vergessen, dass es für die Eltern immer am schmerzhaftesten bleibt und am schwierigsten. Das habe ich selbst nicht erlebt, aber ich habe Bekannte, denen es so geht, dass die Großeltern so ein bisschen so sind. Und es ist wichtig, dass man mit-weint, aber manchmal ist es auch wichtig, das Weinen der Eltern auszuhalten.

Und ich finde gar nicht, dass du zu viel machst oder aufdringlich bist!! Es klingt so als würdest du unbedingt helfen wollen und z.B. das mit dem Einkaufen ist SOOOO hilfreich. Ich wäre einfach verhungert, wenn es nicht Leute gegeben hätte, die Essen vor mich auf den Tisch gestellt haben. Ich kann auch verstehen, dass sie keinen sehen will und keine Anrufe/Whatsapp beantwortet. Das habe ich auch lange so gemacht. Man bemerkt trotzdem, wer sich weiterhin meldet und wem es wichtig ist.

Liebe Grüße und viel Kraft, Klara

Klara

unregistriert

3

Freitag, 5. Mai 2017, 17:15

Achso, was auch noch wichtig ist: alle Gefühle deiner Nichte und ihres Partners sind erlaubt und berechtigt. Es gibt kein falsch/richtig Trauern und man sollte keinen Druck aufbauen, wenn mal einen Tag nichts geht, wenn sie sich mal nicht melden kann, wenn sie mal motzig oder zickig ist oder wenn sie mal schwarz sieht. Das hat alles seine Berechtigung, alles braucht seinen Platz: Wut, Trauer, Verzweiflung, Hilflosigkeit.

Anja und die Zwillinge

unregistriert

4

Freitag, 5. Mai 2017, 20:38

Liebe Anja!

Hier ein Gruß von einer Sternenanja. Du verhältst dich genau richtig. Ich hätte mir von meiner Familie gewünscht, dass sie so liebevoll und fürsorglich mit mir umgehen und ich meine Trauer ungehemmt ausleben darf, auch jetzt noch nach fast drei Jahren. Die Sterneneltern werden sehr lange traurig sein und permanent an ihre kleine Tochter denken, du weckst also keine Erinnerungen. Schöne Momente kommen irgendwann wieder von ganz allein, das ist auch gut so. Aber Trauer und Verzweiflung stehen jetzt lange im Vordergrund und das ist ebenfalls gut so, da die Eltern jetzt in einem langen Prozess stecken wie sie ihr Leben mit diesem unbegreiflichen Schicksalsschlag weiterleben sollen. Das tut so weh, dass man meint, das Herz explodiert vor Kummer. Falls deine Nichte Fotos von der Kleinen hat, würde ich es an ihrer Stelle schön finden, wenn ich sie zeigen dürfte, du sie dir also anschaust. Es ist nichts Schlimmes dabei, die Kinder sehen aus, als ob sie schlafen. Ich war immer super stolz, wenn ich jemandem Fotos von Tjure als er noch gelebt hat, aber auch nach seinem Tod die ganzen Fotos von einer ehrenamtlichen professionellen Sternenkindfotografin, zeigen durfte. Hat zum Glück noch keiner abgelehnt, aber ich sage auch immer vorher, das da nix gruseliges oder sonst was ist.Vielleicht magst du dir auch ein Foto ins Regal stellen? Haben Beins Schwiegereltern und Uromavon sich aus und ich bin darüber sehr dankbar. Mein Sohn hat dort seinen Platz, er wird bedacht, auch wenn er nicht mehr lebt. Meine Mutter wollte das nicht, aber sein lebender Zwillingsbruder hängt an der Wand. Darüber bin ich so enttäuscht. Es fällt ihr auch schwer, seinen Namen zu sagen. Sternenkindfotografin sind kein Tabu. Vielleicht kannst du auch noch weitere Angehörige und Freunde deiner Nichte ansprechen bzgl. Umgang mit Sterneneltern. Das wäre toll. Früher oder später wird bestimmt jemand dumme Kommentare raushauen, die evtl. gut gemeint, aber leider voll daneben für die Eltern sind. Vielleicht lässt sich das ein bisschen vermeiden.

Ganz liebe Grüße und mach weiter so, du bist eine große Stütze, Anja

Mara

unregistriert

5

Freitag, 5. Mai 2017, 22:17

Liebe Anja,
lass sie trauern. Und lass sie erzählen. 1x, 10x, 100x
sei vor allem auch in Zukunft für deine Nichte da!
Nach wenigen Monaten ist es für fast alle vergessen. Auch wenn man wieder lacht, oder einfach seinen Alltag bewältigt. Es geht einem nicht einfach wieder "gut". Und man reißt keine Wunden auf, wenn man über das Kind spricht. Die Wunde ist immer da!
Und es tut so gut auch zum hundertsten Mal über sein Kind zu sprechen.
Ach wie würde ich mir wünschen, dass jetzt - nur 5 Monate nach dem Tod meines Sohnes - öfters jemand fragen würde wie es uns geht. Am allermeisten verletzt mich dieses "ach wie schön, dass es euch besser geht". Das tut es nicht ..
Alles Liebe für deine Nichte und ihren Mann
Mara

Christine

unregistriert

6

Montag, 8. Mai 2017, 20:06

Hallo Anja,
Wie Du Dich verhältst, ist meiner Meinung nach sehr schön. Du gibst Deiner Nichte und Ihrem Mann das Gefühl, dass Du für sie da bist. Wenn sie nicht möchten, werden sie sich nicht melden, aber sie wissen, Du bist da.
Unser Sohn kam vor 4 Monaten tot zur Welt.
Mir hilft sehr, über ihn zu reden. Wie Mara schon sagte, lass Deine Nichte ihre Geschichte erzählen, sooft sie möchte.
Irgendwo habe ich mal gelesen dass eine Sternenmama sagte:
ich wünsche mir, dass ich auch zum 1000. mal meine Geschichte erzählen kann. Hört dann bitte immernoch zu, denn unsere Geschichten sind meistens kurz. Und es kommen von unseren Sternenkindern keine neuen Geschichten dazu. Diese Geschichte über unsere Kinder, sind die einzigen, die wir haben.
Mich verletzt es sehr, wenn ein nicht Ernst gemeintes "und, geht´s gut?" zur Begrüßung kommt. Und wenn man dann mit einem "Nein" antwortet, einfach das Thema gewechselt wird.
Und vergiss den Mann Deiner Nichte nicht.
Ich fand es sehr traurig, wenn mir das Beileid ausgesprochen wurde und meinem Mann nicht.
Oder gefragt wurde, ob man MIR helfen kann, und nicht UNS.
Auch die Papas verlieren ihre Kinder, nicht nur wir Mamas.
liebe Grüße
Christine