Samstag, 23. Februar 2019, 16:35 UTC+1

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Ann-Kathrin

unregistriert

81

Montag, 11. Februar 2019, 12:53

Die letzte Woche war gefühlt meine schlimmste Woche. Ich habe mich so schlecht gefühlt, ich wusste überhaupt nicht, wie ich weitermachen soll. Meine Gedanken sind nur darum gekreist. Jeden Morgen bin ich aufgewacht und habe festgestellt, dass das alles kein Alptraum war. Ich musste mich zwingen aufzustehen. Manchmal hab ich gedacht, ich halte das alles nicht mehr aus. Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll und, ob es nach dem Verlust überhaupt weitergehen kann. Am Mittwoch hatte ich einen kleinen Lichtblick. Wir waren beim Hämostaseologen und der ist mit einer Frauenarztpraxis verknüpft. Ich hatte zunächst ein Gespräch mit einer Ärztin, was gut war, auch wenn sie ein wenig unsensibel war, was wohl daran liegt, dass sie jeden Tag mit Frauen wie uns zu tun hat. Das ist eine Praxis, die sich auf Risikoschwangerschaften spezialisiert hat. Wir sind den Anamnesebogen durchgegangen und da kam heraus, dass ich wahrscheinlich bei einer erneuten Schwangerschaft, auch präventiv, Heparin spritzen muss, weil ich während der Einnahme der Pille Migräne mit Aura bekommen habe. Ich hab aber vergessen zu fragen, warum ich dann Heparin nehmen soll. Aber das war nicht der Grund, warum unsere Leni gehen musste, weil sie immer gut versorgt wurde.


Naja jetzt müssen wir die Ergebnisse abwarten. Die Ärztin hat dann noch gesagt, dass ich noch jung sei und noch viele Kinder bekommen könne und sie sich ganz sicher sei, dass ich bald wieder bei ihr sitze als Schwangere. Und sie sagte auch, ich solle so schnell wie möglich wieder schwanger werden. Sie meinte, wenn ich keinen Kaiserschnitt hatte, man auch keine Zwangspause einlegen muss. Das beruhigt dann doch immer, dass wir weitermachen können. Mich hat nur die Aussage gestört, dass ich ja noch jung sei und viele Kinder bekommen könne. Das ist faktisch vielleicht korrekt, aber dennoch macht es Geschehene nicht ungeschehen und unsere Leni bekommen wir dadurch auch nicht wieder. Mich ärgern solche Aussagen.

Trotzdem war ich danach wieder ein wenig besser drauf. Aber das hielt nicht lange an. Danach ging es mir wieder ziemlich mies. Hinzu kam, dass ich das Paket eines Nachbars angenommen habe, er kam es abholen und ich fing wieder an zu weinen und er meinte nur, dass das Leben weitergeht und ich weitermachen solle. Danke, das weiß ich auch, aber im Moment geht mein Leben nicht weiter. Es ist stehen geblieben. Und ich bestimme, wenn meine Welt wieder weiterdreht. Manchmal würde ich am liebsten sagen, dass die sich vorstellen sollen, die würden ihre Kinder verlieren und mal gucken, ob die dann nach paar Wochen ihr Leben wieder einfach weiterleben. Und zu allem Überfluss hat mir meine beste Freundin am Freitag gesagt, dass sie schwanger sei. Das hat mir dann den Boden unter den Füßen weggezogen. Natürlich freue ich mich für sie, das hab ich ihr auch gesagt, aber trotzdem ist es schlimm für mich, weil sie bald glücklich mit ihrem Baby all das machen kann, was ich doch eigentlich schon hätte. Und man weiß einfach, wie glücklich man ist, was für ein schönes Gefühl es ist, sein Baby im Bauch zu spüren. Ich bin neidisch, dass sie dieses Gefühl im Moment haben kann. Ich würde alles dafür tun, dass ich es auch wieder habe. Ich hoffe, ihr versteht, wie ich das meine. Ich hatte ihr noch angeboten, dass sie mich alles fragen könne, zu dem was passiert ist. Aber es kam nichts. Das macht mich sehr traurig, dass es sie anscheinend nicht interessiert. Ach ja und während der ganzen Zeit kam auch nichts von ihr. Nur zu meinem Geburtstag eine ganz normale Nachricht, als wäre nichts passiert. Das macht mich traurig und ich bin auch ein wenig enttäuscht. Könnt ihr das nachvollziehen?

Naja, gestern war der erste Tag seit langem, an dem es mir ein wenig besser ging. Ich frage mich immer wieder, wieso das passieren musste, wir waren so glücklich. Und jetzt liegt unser Leben in Scherben und wir müssen es Stück für Stück wieder zusammen setzen. Und es gibt nichts, was es besser macht. Leider müssen wir dadurch, es aushalten und ertragen, so wie du es sagst, Anna. Aber es ist verdammt schwer.

Du hast absolut recht, dass wir erst mal Schritt für Schritt gehen sollen und ich mich nicht jetzt schon verrückt mache, dass es nicht so schnell mit einer Schwangerschaft klappen könnte. Aber so bin ich. Ich hasse es, wenn ich etwas nicht kontrollieren kann, wenn ich keinen Einfluss darauf habe. Das ist nur schwer für mich auszuhalten. Aber ich kann es nicht ändern und versuche nun mein Bestes.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Wochenstart.

Ann-Kathrin

LoLo

unregistriert

82

Dienstag, 12. Februar 2019, 16:33

Hallo ihr Lieben,

ich habe mich nun wieder beruhigt und es geht mir deutlich besser! Mit dem ASS kann ich mich nun auch anfreunden und hoffe einfach, dass es in irgendeiner Weise helfen wird!
Gestern war ich bei der Therapeutin und freue mich sehr, dass sie mir sympathisch ist und mir auch ihr Therapieansatz passt. Sie ist unter anderem Traumatherapeutin und macht auch viel Therapien mit Eltern und Kindern und Interaktionsproblemen. Eigentlich kommt sie aber aus der Tiefenpsychologie. Ich fühle mich dort gut aufgehoben und glaube auch, dass sie den richtigen Hintergrund für meine Anliegen hat! Sie meinte, dass ich auf einem sehr guten Weg sei und schon viele Ressourcen habe. Das hat mir sehr gut getan!
Außerdem plane ich derzeit den ein oder anderen Wochenendtrip und versuche mich die nächsten Tage mal an Brotbacken :).

Danke für eure Rückmeldungen bezüglich meiner Freundin. Ich werde sie nächste Woche besuchen fahren und freue mich auch ein Stück weit ihr vielleicht mit dem einen oder anderen helfen zu können.

Ich vermisse meinen Sohn immer wieder sehr und frage mich, was er wohl jetzt schon alles können würde? Ich hoffe sehr, dass er es gut hat, wo auch immer er gerade ist und dass er weiß, dass wir ihn lieben und vermissen. Ihr hattet glaube ich beide mal von Zeichen? geschrieben? Was mir häufiger passiert ist, dass ich zu seltsamen Zeiten auf die Uhr sehe, z.B. 4:44 oder 1:11 (mitten aus dem Schlaf) oder 14:14 ... kennt ihr sowas auch? Ich denke dann immer irgendwie, dass er an uns denkt :).

Ich habe uns nun auch wieder auf die Kitawartelisten gesetzt und da wir schon letztes Jahr überall waren müssen wir zum Glück nicht überall wieder vorstellig werden und es reicht, dass wir uns nach der Geburt melden. Das entlastet mich sehr! Letztes Jahr musste ich alle 2 Wochen dort anrufen, um zu sagen, dass ich noch Interesse habe. Was für ein Aufwand -.-.



Liebe Anna,

ich freue mich tatsächlich nun auch mehr, dass wir über die 12. Woche hinaus sind und versuche langsam wieder Vertrauen aufzubauen. Mittlerweile glaube ich, dass ich das ASS eher prophylaktisch nehmen soll. Da wir ja auch einen Gefäßverschluss oder Blutstau bei unserem Sohn nicht ausschließen können, ist es vermutlich auch ganz gut, dass das Blut etwas verdünnt wird, auch ohne Gerinnungsproblematik. Wegen der Präklampsie, dass es dort regelmäßige Kontrollen gibt weiß ich. Allerdings ist es bei mir oft so, dass mein Blutdruck hoch ist, weil ich wahnsinnig aufgeregt bin und die Eiweißwerte variieren immer. Außerdem sind die anderen möglichen Symptome (Oberbauchschmerzen und Wassereinlagerungen) auch nicht immer gegeben und alleine in den 2 Wochen, wo nicht kontrolliert wird, kann es ja auch passieren, ohne dass man es merkt. Von daher finde ich es eigentlich gut, wenn ich ein höheres Risiko haben sollte, dass dies deutlich gesenkt werden kann. Das kann ja für uns beide sehr gefährlich werden.

In meiner vorherigen SS hatte ich auch eine Vorderwandplazenta. Und das war nicht sonderlich beruhigend. Ich habe ihn zwar fast jeden Tag gespürt, aber manchmal nur sehr wenig und kurz. Am meisten habe ich den Schluckauf gemerkt :). Das war schon damals immer schwierig, da man ja bei nachlassenden Kindsbewegungen zum Arzt gehen sollte, aber die waren bei mir halt schon immer wohl eher wenig. Und unter den Wehen habe ich gar keine gespürt, weil die ja auch quasi fast anhaltend waren und ich mich darauf überhaupt nicht konzentriert hatte. Hat mir auch keiner gesagt, dass man dann normalerweise Kindsbewegungen spüren sollte.

Hast du denn durch das Heparin mal eine vaginale Blutung bekommen? Meine Hebamme meinte, dass kann schon leicht mal passieren und ich muss mir deshalb keine Sorgen machen.

Ich finde, dass auch du immer sehr positiv klingst und einen sehr guten Weg gehst! Du hast schon so viele Ressourcen und ich finde es schön, dass du dich viel mit positiven Themen beschäftigst und dass es dir hilft!

Wollt ihr eigentlich vor der Geburt noch mal in den Urlaub fahren? Ich traue mich das ehrlich gesagt nicht. Also wir fahren schon weg, aber wir bleiben im Land, einfach wegen der medizinischen Versorgung. Als ich mit meinem Sohn schwanger war, sind wir in Wien gewesen und da hatte ich eine Zecke. Ich habe mir riesige Sorgen gemacht und im KH haben die uns einfach nicht behandelt, sodass wir unseren Urlaub abgebrochen haben und zurück gefahren sind.



Liebe Ann-Kathrin,

danke auch dir für deinen lieben Zuspruch!

Ich verstehe, dass es dir schwerfällt ohne Leni weiterzuleben! Ich bin irgendwann an den Punkt gekommen, dass ich mir gesagt habe, muss ich das denn? Ich meine natürlich können unsere Kinder nicht körperlich bei uns sein, aber irgendwie sind sie doch immer in unseren Herzen da und durch meine Kette, die ich ständig für meinen Sohn trage fühlt er sich so nah an. Ich finde das tröstlich und versuche mir dadurch irgendwie vorzustellen, dass er ja gar nicht weg ist, sondern in mir weiterlebt. Klingt seltsam und vielleicht noch mehr, weil ich gar nichts mit Spiritualität anfangen kann. Aber irgendwie hilft mir dieser Gedanke, sonst könnte ich es auch nicht ertragen!

Auch deine Gedanken dazu, dass es "nur" ein böser Traum gewesen sein könnte, kann ich gut nachvollziehen. Ich habe mir sogar die ersten Wochen noch Kindsbewegungen eingebildet, vor allem nachts. Kennst du das auch? Ich denke das ist ganz natürlich zu hoffen man hätte es nur geträumt und es zeigt, dass du verarbeitest. Dass es unheimlich belastend ist, empfinde ich aber mit dir!

Gut, dass du jetzt mit dem Gerinnungsspezialisten gesprochen hast. Das heißt die Gerinnungsergebnisse stehen noch aus? Auch wenn es natürlich immer doof ist Medikamente nehmen zu müssen, kannst auch du dann was tun. Seltsamerweise hatte ich auch so einen unsensiblen Arzt, der meinte: Naja, vielleicht ist es besser so, dass das Baby gestorben ist, sowas will man dann ja auch nicht. Das fand ich extrem schwierig formuliert und sehr unsensibel! Jedes Paar entscheidet selber, was es will und was nicht. Glauben die Leute wirklich, dass solche Kommentare hilfreich sind, oder denken sie gar nicht erst nach?
Ich glaube, dass viele Menschen einfach extrem unsicher sind und gar nicht wissen was sie sagen sollen und dann so eine Floskel dabei herauskommt. Viele können damit einfach nicht umgehen und sie können sich auch nicht so einfach in uns hineinversetzen.

Ich kann verstehen, dass es dich traurig macht, dass deine Freundin dich dazu nichts fragt. Meine Einschätzung ist bei sowas oft, dass die Leute eben sehr unsicher sind, ob du wirklich willst, dass sie nachfragen, vielleicht wollen sie dich nicht traurig machen und wissen nicht, dass Trauer aber hilft. Bei deiner Freundin kann es auch sein, dass sie selber große Angst hat, wegen ihrer Schwangerschaft und deiner Geschichte, und sich daher nicht traut zu fragen, weil sie glaubt, ihr könnte das auch passieren. Wenn du die Kraft dazu hast würde ich dir raten mit ihr zu sprechen und auf sie zuzugehen. Du könntest ihr sagen, wie du dich fühlst und was du dir wünscht. Also nicht: "du darfst mich alles fragen was du möchtest", sondern: Ich brauche dich, es würde mir sehr helfen, wenn ich dir meine Geschichte erzählen könnte und du für mich da wärest. Ich glaube, dass unsere Lieben nicht mit Absicht so reagieren, oder sie dich aus irgend einem Grund nicht mehr mag, sondern dass sie einfach nicht weiß wie sie damit umgehen soll. Und da helfen meist klare Ansagen.

Auch ich habe große Schwierigkeiten damit, keine Kontrolle mehr zu haben über Dinge von denen ich immer geglaubt habe ich könnte sie kontrollieren. Auch wenn das kein Trost ist, ist es vielleicht gut so etwas zu lernen, weil es uns hilft das Leben mehr wertzuschätzen und die Besonderheiten zu sehen. Ich wünsche dir, dass du schnell schwanger wirst und nicht mehr so viel hibbeln musst. Aber auch hier, warum solltest du die Ausnahme sein, bei der es nicht mehr klappt?

Alles Liebe,

Lolo

Anna

unregistriert

83

Mittwoch, 13. Februar 2019, 12:10

Hallo Ihr Lieben,

es ist gut zu lesen, dass, Ann-Kathrin, Deine schlimme Woche vorbei ist, und bei Dir, Lolo, die Ruhe wieder mehr da ist.

Was für ein Auf und Ab der Gefühle, die wir teilen. Ich habe diese Woche keine Arzttermin, weswegen eigentlich alles ruhig ist. Der immer größer werdenden Bauchmaus scheint es gut zu gehen, weil ich trotz der Vorderwandplazenta ihre Bewegungen und Tritte spüre. In den Zeiten, in denen sie schläft oder sich wenig bewegt, bin ich meist trotzdem angespannt und jedes Mal erleichtert, wenn sie mir ein Zeichen gibt. Das ist auch etwas anstrengend. Ich wache oft auf oder fahre von der Arbeit nach hause und denke, jetzt ist es wieder vorbei, sie hat sich nicht bewegt. Oder mich holt immer wieder das Gefühl ein, dass ich mich auf einen Abschied vorbereiten muss. Das einzige, was dann hilft, ist ihre Bewegungen zu spüren oder, wenn sie gerade nicht spürbar sind, tief in mich hineinzuhorchen, meinen Kopf einigermaßen auszuschalten und zu spüren, dass eigentlich alles in Ordnung ist und sich alles gut anfühlt.
Hattet ihr das in den ersten Schwangerschaften auch, dass es so Wachstumsphasen zu geben scheint, in denen der ganze Bauch spannt und ihr wenig gespürt habt, bevor es dann von vorne losgeht?
Ich muss auch aufpassen, dass ich mir nicht Sorgen und Gedanken mache, wenn ich körperlich nichts spüre, weil ich dann nichts spüre, und mir dann auch Sorgen und Gedanken mache, wenn alles zwickt, spannt und auch weh tut, weil ich dann denke es könnte irgendein Vorzeichen für etwas Schlimmes sein.

Apropo Vorderwandplazenta, wie hast Du denn die Bewegungen mit der Vorderwandplazenta gespürt, Lolo? Meine ist von rechts jetzt über den Vorderbauch gewachsen, d.h. anfänglich habe ich sie noch deutlich und mehr links gespürt, was nachgelassen hat. Am deutlichsten spüre ich sie fortlaufend, wenn sie nach unten tritt oder im Unterbauch. Ich nehme auch ihre Tritte nach vorne wahr, halt nur nicht so oft und wenn gedämpft und nicht deutlich. Ein paar Mal hat sie es auch schon geschafft, den Bauch wackeln zu lassen, da bin ich dann besonders stolz... Meine Frauenärztin meint, dass das auch noch stärker werden kann. Sie hat mir auch die Umrisse meiner Plazenta aufgezeigt, so dass ich weiß, wo ich keine oder weniger Tritte spüre, das hat mir geholfen.

Da müssen wir ja jetzt alle blutverdünnende Mittel nehmen - also willkommen im Club! Soweit ich weiß, ist das bei Schwangeren eine Standardtherapie, wird auch prophylaktisch angewandt und deswegen muss man sich keine großen Gedanken machen. Ann-Kathrin, meine Daumen für die die endgültigen Ergebnisse sind weiter gedrückt! Ich finde es auch immer komisch (in der Praxis meines Hämostaseologen gehen auch Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen ein und aus, weswegen ich mit meiner Vorgeschichte da nichts "besonderes" bin), den Routineablauf der Behandlung von Risikoschwangeren mitzubekommen, bei dem der individuelle Verlust nicht im Vordergrund steht und es manchmal an Sensibilität fehlt. Wobei mein alter Arzt äußerst einfühlsam war, aber auch er hatte seine Routine. Gleichzeitig glaube ich, das ist auch dem professionellen Umgang mit uns geschuldet, der ja sachlich bleiben muss und soll.

Allerdings so Aussagen, wie von der Ärztin, "Du seist ja noch jung und könntest noch viele Kinder bekommen", finde ich auch fehlplatziert. Das hätte mich ebenso geärgert, weil es Euren Verlust nicht wieder gut machen kann. Klar, kann ich auch verstehen, wie die Ärztin das meinte und, wie Du sagst, faktisch hat sie auch recht. Nur ihr wolltet ja gerade Leni.
Mit ist es ganz warm ums Herz geworden, als ich gelesen habe, das sie Dir ähnlich sieht und in Deinem Bauch schon Deine Mimik hatte. Wie wunderschön. Vielleicht hilft es Dir, wenn Du jetzt mir ihr sprichst und Dir vorstellst, wie sie wohl geworden wäre?! Amélie sieht eher meinem Mann ähnlich, sie hatte sowohl seine langen Beine als auch die gesamte Mundpartie war von ihm. Wie oft habe ich ihn angeschaut, wenn er schläft und dabei an sie gedacht. Das ist immer schön. So kann Dein Mann Dich anschauen und einen Teil von Leni sehen.

Es war natürlich nicht gut zu lesen, dass letzte Woche gefühlt Deine schlimmste Woche war. Manchmal kommt aber auch alles zusammen!! Ich kenne das gut, dass es mir immer, wenn ich z.B. mit Arztterminen etwas zu tun habe, Lichtblicke da sind, und wenn die Leere dann wieder da ist, die Sinnlosigkeit und Warterei endlos erscheint. Wichtig ist immer nur zu wissen und zu spüren, dass es wieder besser wird oder man den nächsten Schritt macht. So wie Lolo schreibt, als sie an den Punkt gekommen ist, wo sie sich gefragt hat, ob sie überhaupt ohne ihren Sohn weiter leben muss. Das finde ich sehr treffend. Ich habe oft genug auch Schritte wieder zurück gemacht und Morgende auf dem Sofa mit Musik auf dem Sofa gebracht, weil ich nicht wirklich aufstehen und den Tag beginnen konnte, aber wie Du habe ich auch mein Bestes versucht. Es ist alles verdammt schwer und kostet unendlich viel, viel Kraft. Aber für wen als für Dich und Deine Familie lohnt es sich mehr, sie einzusetzen und es zu versuchen. Das soll Dich alles bestärken, Deinen Weg weiterzugehen und so wie Du es geschrieben hast, als Dein Nachbar, das Paket vorbei gebracht hast,Du bestimmst, wann Deine Welt sich wieder weiterdreht!!

Ich kann es gut nachvollziehen, dass Du von der Reaktion Deiner besten Freundin enttäuscht warst. Mich hat es und trifft es nach wie vor am meisten, wenn Freunde oder Bekannte mir gegenüber in dem Sinne teilnahmslos sind, dass sie nicht nachfragen und ich nicht erzählen kann. Amélie ist so ein wichtiger Teil von uns und mir, sie gehört so selbstverständlich zu uns, dass es mir weh tut, wenn sie für andere nicht da zu sein scheint, "nur" weil diese das Thema meiden wollen oder Angst haben. Ich bin immer offen auf die anderen zugegangen und war enttäuscht, wenn diese Offenheit nicht erwidert wurde. Es hat mich Kraft gekostet, zu dieser Offenheit zu bekommen und mich der Außenwelt, auf welche Weise auch immer zu stellen, da wollte ich zumindest eine Reaktion. Das soll nicht heißen, dass ich die anderen nicht auch verstehen kann und Deine Freundin ihre eigenen, nachvollziehbaren Beweggründe haben mag - sei es Unsicherheit, Dich anzusprechen, oder Angst wegen ihrer eigenen Schwangerschaft. Da bin ich allerdings auch etwas egoistisch, weil zu einer Freundschaft in einem solchen Moment zwei dazu gehören, Ihre Ängste, Sorgen und Freude genauso wie Deine Gefühle. Ich mag daher Lolos Vorschlag, dass Du auf sie zugehst und ihr Deine Gefühle mitteilst.

Eine meiner besten Freundinnen hat an demselben Tag erfahren, dass sie schwanger ist, als wir und sie auch erfahren hat, dass Amélie nicht mehr lebt. Es ist ihr drittes Kind, die Situation also denkbar "ungerecht" und sie hat mir unmittelbar danach gesagt, dass sie mir am liebsten ihr Kind "geschenkt" hätte. So liebevoll und mitfühlend das war, so sehr ist mir bewusst geworden, dass ich nicht irgendein Kind wollte, sondern Amélie und ich mich für sie und ihr Kind sehr freue, dass sie zueinander gefunden haben, auch wenn ich auf die ganze Situation neidisch war. Am Anfang ihrer Schwangerschaft, sie wohnt in einer anderen Stadt, haben wir noch häufiger telefoniert und sie war mir gegenüber offen. Das hat irgendwann abrupt aufgehört, ohne dass es einen Grund dafür gab. Ich meine, dass es an der in ihr wachsenden Angst lag, mit der ich sie zwangsläufig konfrontiert habe, ob ich wollte oder nicht, d.h. ihre "happy world" nicht bestätigen konnte. Ich hätte mir damals auch gewünscht, dass sie mir das wenigstens offen sagt, dass es ihr gerade nicht gut tut. Aber es ist schwer für Menschen, zu ihren Ängsten zu stehen. Unsere Freundschaft ist zum Glück alt und gefestigt genug, dass sie das alles nicht wirklich erschüttert hat, sondern wir nur vorübergehend keine gemeinsame Basis hatten. Heute ist wieder alles fast beim alten und der "Riss" wird zuwachsen. Ich kann mir aber vorstellen, das Freundschaften daran zerbrechen.
Im Gegensatz dazu kann ich von meiner kleinen Schwester berichten. Wir haben nach Amélies Geburt quasi eine Zeit zusammen gehibbelt, bevor sie schwanger wurde und ich noch über ein halbes Jahr warten musst, bis ich wieder schwanger war. Wir haben diese Zeit dennoch geteilt, ich habe mich für sie gefreut, habe ihre Gedanken und Sorgen geteilt und sie, wofür ich ihr unendlich dankbar bin, war immer offen mir gegenüber und hat meine Gedanken und Sorgen geteilt. Wir haben oft darüber gesprochen, es war ihre dritte Schwangerschaft, dass sie diese "wegen mir" (sie würde nicht wollten, dass ich das so schreibe, aber es hat sich so angefühlt) nicht mehr so unbeschwert erleben kann und viel mehr Ängste hat. Genauso hat sie mir berichtet, dass sie für ihre Schwangerschaft nun ein viel tieferes Bewusstsein hat und Amélie ist ein Teil ihres Lebens, den sie nicht missen möchte. Sie mag sie wirklich sehr. Von ihr weiß ich also, dass es nicht einfach ist, schwanger zu sein und gleichzeitig sich mit meiner Geschichte auseinander zu setzen, während es auch eine Bereicherung sein kann. Mit meiner Schwester konnte ich mich jederzeit und uneingeschränkt mitfreuen, jauchzen und jubeln und unbeschwert sein, ohne dass ich neidisch war, und ich glaube, das ist wegen ihrer Offenheit und weil sie auch all meine Gedanken und Gefühle samt Traurigkeit und Verzweiflung mit mir geteilt hat.

Hast Du denn mit Deiner Freundin vor dem Freitag schon einmal länger gesprochen? Oder war dies Euer erstes Gespräch? Ist es eine Möglichkeit für Dich, auf Sie zuzugehen? Meinst Du, sie wird Dir sagen, was sie bewegt? Oder meinst Du, es muss noch etwas Zeit vergehen, bis vor allem Du wieder etwas gefestigter bist?

...

Anna

unregistriert

84

Mittwoch, 13. Februar 2019, 12:11

Liebe Lolo, Deine Therapeutin hört sich wirklich passend an, das freut mich für Dich. ich kann mir vorstellen, dass der tiefenpsychologische Ansatz nicht schlecht ist, weil, so wie ich Dich und uns erlebe, es uns nicht so schwer fällt, bewusst und rational über all das nachzudenken und Lösungen für unsere Probleme zu finden, während unser Unterbewusstsein zu kurz kommen könnte.
Die Frage, was unsere Kinder wohl jetzt schon alles können, stelle ich mir regelmäßig. Wie Du, schreibe ich ihnen eine gewisse Weisheit zu, die ich nicht näher erklären kann. Gerade am Anfang hat es mich so gequält, nicht für sie Sorgen zu können und nicht mit letzter Sicherheit zu wissen, wo sie ist und ob es ihr gut geht. Und dann kamen die Zeichen. Sie zu erklären und von ihnen zu erzählen, ist eine lange Geschichte und es sind mehrere. Kurz gesagt, ja ich kenne diese Zeichen und sie sagen mir, ich bin da, alles ist gut. Und sie hat mich wirklich dazu gebracht, sie auch anzuerkennen und nicht als "Unfug" oder "Einbildung" abzutun. Heute bin ich mir sicher, auch wenn die deutlichsten Zeichen in der Anfangszeit da waren, dass Amélie uns immer wieder etwas mitteilt und ich dies nur wahrnehmen und annehmen muss. Als ich rational darüber nachgedacht habe, bin ich zu der Schlussfolgerung gelangt, dass selbst Atheisten oder Leute, die an "nichts" glauben, eben auch nur glauben und nicht wissen. Sie glauben, dass es "nichts" gibt, während andere glauben, dass es "etwas" gibt. Außerdem mein Leben mit Amélies Zeichen ist viel schöner als ohne.
Wie toll, dass Du Dich auf die Kita-Warteliste hast setzen lassen. Für all das "Materielle", wie Kinderwagen kaufen etc.", habe ich noch nicht den Mut. Wie macht Ihr das oder wollt Ihr das machen?
Ich habe bisher noch keine vaginale Blutung wegen des Heparins bekommen. Habe aber schon vorsorglich, vor allem anfänglich gedacht, dass, wenn es so kommen sollte, es auch ein dem Heparin liegen. Was ich stärker als in der ersten Schwangerschaft habe, ist Zahnfleischbluten. Das hatte ich vor den Schwangerschaften so gut wie war nicht.
Was sind eigentlich Vorzeichen einer Praeklampsie, auf die ich achten sollte? Also quasi, wenn sie während der zweiwöchigen Kontrolle auftreten sollte. Ich habe mich da noch nie wirklich kundig gemacht. Weil mir die Beine und Arme öfter einschlafen, weiß ich, dass ich teilweise auch Wassereinlagerungen habe, also auch ohne geschwollene Beine/Füße zu haben. Das hat mir jedenfalls meine Frauenärztin so erklärt, als ich sie fragte, ob es normal sei, dass mir grade so oft Arme und Beine einschlafen.
Wir planen grade nur Wochenendtrips und einmal ein verlängertes Wochenende an der Nordsee. Die nächsten drei Wochenenden sind wir so unterwegs, worauf ich mich freue, aber auch gespannt bin. Zu mehr trauen wir uns momentan auch nicht. Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich so ängstlich sein kann, aber finde das nicht schlimm. Das kann alles wieder kommen. Neulich habe ich zum Beispiel darüber nachgedacht, ob es mit der Kleinen möglich ist, in die Antarktis auf einem Schiff zu fahren (eines meiner Traumziele). Wenn sie noch nicht so weit laufen kann und ihr die Schiffs- und Kabinendimensionen ausreichen, wäre das vielleicht noch eine gute Zeit. Vielleicht einige spinnige Idee und vielleicht eh zu teuer, aber wer weiß. Außerdem fühle ich mich momentan zuhause am sichersten und wohlsten. Hier kann ich mein Tempo einhalten, nach der Erfahrung mit dem fettigen Essen in Holland, essen, was mir gut tut und habe im Notfall "mein Team" an Ärzten und meine Hebamme um mich herum. Überlegt ihr, ob ihr noch einen Urlaub macht?

Alles Liebe in die Runde,
Anna

LoLo

unregistriert

85

Montag, 18. Februar 2019, 10:19

Hallo ihr Lieben,

mir geht soweit ganz gut. Yin Yoga und Meditation und mein Dankbarkeitstagebuch helfen mir Ruhe zu bewahren. Nun beschäftige ich mich auch mit buddhistischer Psychologie und Güte / Mitgefühl (ein gutes Buch dazu ist: Das weise Herz von Jack Kornfield), falls es euch interessiert :).
Bei mir ist gar nicht so viel passiert seit dem letzten Eintrag. Ich genieße das schöne frühlingshafte Wetter, mache viele Spaziergänge und hoffe das weiterhin alles gut ist! Gestern waren wir bei unserem Sohn im Wald und haben uns gewundert, dass der Tannenbaumzweig von Weihnachten, den wir dort hingelegt hatten, noch so frisch aussieht und die Blüte von vor 3 Wochen auch. Irgendwie schön! Ich merke, wie mir das gute Wetter und die Sonne gut tun und ich positiver werde :).
Gelegentlich habe ich das Gefühl einen Tritt zu spüren, bin mir aber nicht sicher und denke dann immer, in der 14. Woche ist es noch zu früh, oder? Außerdem schlafe ich deutlich schlechter. Ich werde oft recht früh wach.. Ist das bei dir auch so Anna?
Diese Woche habe ich endlich wieder einen Hebammentermin und freue mich schon sehr auf eine Rückmeldung. Ich bin nun an dem Punkt angekommen, dass ich mir denke, es macht überhaupt keinen Sinn keine Bindung zu unserer Tochter eingehen zu wollen oder es zu vermeiden. Sollte etwas passieren, wird es eh weh tun und so haben wir wenigstens die Zeit mit ihr genossen und es uns möglichst schön gemacht!


Liebe Anna,

schön, dass es dir trotz der Ängste, die wir immer wieder haben, soweit gut geht! Ich denke es ist genau richtig wie du es machst. Wahrnehmen, dass sich etwas anders anfühlt, die Angst kommt, aber dann auch schnell in sich hineinhorchen, dass sich eigentlich alles gut anfühlt und es vermutlich nur wieder die Sorge ist, die da ist. In dem Buch was ich gerade lese geht es auch ganz viel um das Bewusstsein. Sich gewahr werden, dass man Angst hat, dass diese aber durch unsere Erfahrungen geprägt ist und nichts mit dieser Situation zu tun haben muss. Solange der Körper keine deutlichen Anzeichen gibt, ist erstmal alles in Ordnung! Fertig! Aus!


Also ein Bauchspannen hatte ich in der letzten Schwangerschaft nicht. Aber es gab schon hin und wieder, auch spät in der Schwangerschaft, Tage wo ich ihn gar nicht gespürt habe. Das hat mir schon damals große Sorge bereitet, hat aber tatsächlich mit dem Wachstum zu tun. Was ich mir momentan dazu sage ist, klar kann man sich dann Sorgen machen und zur Beruhigung zum Arzt gehen. Sollte aber auch dieses Kind in einer bedrohlichen Situation sein, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass ich tatsächlich rechtzeitig beim Arzt wäre und nicht doch zu spät? Sprich, wir haben keinen Einfluss darauf was passiert, selbst wenn wir uns durch unsere Ängste ins Krankenhaus einweisen, möglicherweise für Wochen, kann es trotzdem passieren, dass kurz nach der Untersuchung wieder alles vorbei ist. Von daher, es kommt wie es kommt. Ich versuche das auszuhalten und Gutes zu hoffen. Außerdem finde ich schön, was du mir einmal geschrieben hast: Warum sollte es diesmal nicht gut gehen?

Das mit dem Zeigen der Plazenta finde ich, ist eine schöne Idee! Das könnte mir sicher auch helfen! Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht mehr genau, wo ich ihn immer gespürt habe, das war nicht wirklich auf einen Bereich beschränkt. Aber insgesamt war es einfach eher sanft und daher habe ich Vieles vermutlich auch gar nicht wahrgenommen und das ist schon schade, weil die Rückmeldung wirklich gut tut und Sicherheit gibt. Am Besten war, wie gesagt, der Schluckauf. Da hat mein Bauch dann 20 Mal gewackelt :). Davon habe ich auch ein Video, das ist eine schöne Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit!

Wir haben ja alles Materielle behalten. Also ich habe noch alle Kleidung, den Kinderwagen, das Babybett, den Autositz etc. Ich verknüpfe die Sachen auch nicht so sehr mit meinem Sohn, weil er sie nie benutzt hat. Daher war es für mich überhaupt kein Thema alles zu behalten und dann dem Geschwisterchen zu geben. So hätte ich es auch gemacht, wenn er bei uns wäre. Dementsprechend haben wir alles und brauchen gar nichts mehr, was ich wirklich entspannt finde. Ich habe nämlich überhaupt keine Lust auf diesen ganzen Babymist. Aber ich bin da auch einfach nicht der Typ für, der gerne "shoppt".

Die Präklampsie kann man leider bei sich selbst schlecht diagnostizieren, oder nur in einem Stadium, in dem es potentiell schon gefährlich ist. Die wichtigsten ersten Indikatoren sind Bluthochdruck und Eiweiß im Urin, als Kombination. Das kann man natürlich beides auch Zuhause testen. Aber beides kann für sich und auch in Kombination bei unseren Ängsten einfach mal vorkommen. Wassereinlagerungen können, müssen aber kein Zeichen sein. Ein weiterer wichtiger Indikator sind Oberbauchschmerzen, die man ja generell nicht haben sollte. Dann ist aber schon höchste Eisenbahn. Wenn man nicht tatsächlich Zuhause seinen Blutdruck und den Urin täglich selbst kontrolliert, merkt man es dann meist erst bei den Schmerzen und dann muss in der Regel auch sofort operiert werden, weil es für Mutter und Kind gefährlich werden kann. Also nicht so toll das Ganze! Zum Glück, passiert es nicht soo oft.

https://www.netdoktor.de/krankheiten/blu…/praeeklampsie/


Mit den Reisen geht es mir genau so wie dir. Ich bin auch froh, wenn ich in Deutschland bleiben kann und weiß, dass ich gut versorgt bin, falls etwas ist. Nein, wir machen auch nur Wochenendtrips und ich werde nächste Woche und in ein paar Wochen erneut meine Mutter in ihrer Ferienwohnung an der Nordsee besuchen. Da hoffe ich auf ein wenig Ablenkung und gute Luft (ich bin leider Pollenallergikerin). Das reicht mir aber auch erstmal! Unser Neuseelandurlaub ist ja noch gar nicht lange her :). Ich finde deine Idee, mit der Antarktis großartig. Ihr solltet das unbedingt machen! Ich möchte auch gerne in der Elternzeit nach Kanada! Eine Lehre, die ich mir aus diesen ganzen Erfahrungen ziehe, ist, dass das Leben kurz ist oder zumindest sein kann und man seine Träume nicht bis auf die Rente aufschieben sollte! Und ich finde besonders nach unseren Erlebnissen, sollten wir uns etwas gönnen, auch wenn es etwas teurer ist!



Liebe Ann-Kathrin,

ich hoffe dir geht es mittlerweile besser und du hast einen Weg gefunden, dir auch positive Momente zu schaffen!




Alles Liebe

LoLo

Ann-Kathrin

unregistriert

86

Montag, 18. Februar 2019, 17:20

Hallo ihr Lieben,

endlich komm ich dazu, euch endlich wieder zu schreiben. Irgendwie frage ich mich jeden Morgen, wie ich den Tag rumbekommen soll und plötzlich ist er schon vorbei. Aber wie LoLo schon geschrieben hat, das gute Wetter tut mir und meiner Stimmung ganz gut. Ich hatte jetzt schon etwas länger kein tiefes Loch mehr.

Liebe LoLo,

es ist schön, dass es dir wieder besser geht und du dich mit dem ASS angefreundet hast. Man kann es so sehen, dass es auf jeden Fall nicht schadet, im besten Fall hilft es dir und deiner Kleinen. Übrigens werde ich wahrscheinlich auch ASS nehmen anstatt Heparin. Ich war am Donnerstag bei meiner Frauenärztin und hatte ihr von meinem Besuch beim Hämostaseologen berichtet und dass die Ärztin dort mir Heparin zur Vorsorge geben würde aufgrund meiner Migräne mit Aura. Aber meine Frauenärztin versteht den Sinn nicht und sie würde mir dann lieber ASS geben. Wie du siehst, jeder Arzt sagt was anderes.

Es freut mich zu lesen, dass du dich bei deiner Therapeutin wohl fühlst und sie deinen „Vorstellungen“ entspricht. Das ist sehr wichtig. Was für Trips hast du denn geplant und hast du dich schon am Brot backen versucht? Meine Güte, bei dir scheint ja keine Langeweile aufzukommen, so aktiv wie du bist :)

Die Gedanken kenne ich nur zu gut. Ich frage mich auch ständig, was sie jetzt schon alles könnte, wie würde sie jetzt aussehen. An guten Tagen kann ich mich an den Gedanken erfreuen, aber an schlechten… naja, ihr wisst ja wie sich das anfühlt. Wenn mein Mann und ich einen Film oder eine Serie schauen, wo kleine Mädchen zu sehen sind, dann sagen wir uns oft, dass Leni bestimmt auch so frech wäre wie das Mädchen im Film. Das sind schöne Gedanken. Morgen vor einem Jahr ging die Schwangerschaft quasi los. Also das war der erste Zyklustag. Es ist schon komisch. Mal sehen, wie es mir Morgen geht.

Ich glaube ganz fest daran, dass unsere Kinder uns Zeichen schicken, einfach um zu zeigen, dass sie da sind. Wir haben auf ihrem Grab eine Blume als Windrad stehen und immer wenn wir kommen und sie begrüßen, fängt es an, sich zu drehen, auch an windstillen Tagen. Solche Zeichen bedeuten mir sehr viel. Und Anna, ich finde deine These, dass „Atheisten oder Leute, die an "nichts" glauben, eben auch nur glauben und nicht wissen. Sie glauben, dass es "nichts" gibt, während andere glauben, dass es "etwas" gibt“, sehr treffend und mir fällt dabei ein, dass mein Therapeut auch so eine ähnliche Aussage gemacht hat. Er hatte mich mal gefragt, was ich denke, wo Leni jetzt ist und ich habe gesagt im Himmel. Gleichzeitig habe ich hinzugefügt, dass ich noch nie daran geglaubt habe, dass man nach dem Tod in den Himmel kommt, sondern wenn man tot ist, ist man tot, aber mir dieser Gedanke jetzt hilft, dass sie da ist, obwohl es wahrscheinlich nicht so ist. Daraufhin hatte er gesagt, dass wir doch gar nicht wissen, was nach dem Tod passiert, vielleicht kommt man in den Himmel, wer weiß das schon? Wir können nur glauben und annehmen, aber wir wissen es eben nicht. Daher ist der Gedanke für mich sehr beruhigend und tröstend.

Wann soll eure Kleine denn in eine Kita, dass ihr sie jetzt schon auf die Warteliste gesetzt habt? Ich weiß, dass das Angebot sehr bescheiden ist und man lange im Voraus planen muss, aber ich wollte das bei Leni nach der Geburt machen. Unser nächstes Kind, genauso wie Leni auch, hätte mit 3 Jahren in den Kindergarten gehen sollen. Vorher hätte sie ganz viel Zeit mit den Omas und Opas verbringen dürfen. Aber ich finde es gut, dass du dich „getraut“ hast, eure Kleine anzumelden!

Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich weiß, dass Leni immer bei uns sein wird, aber an manchen Tagen ist es einfach schlimm, dass sie nie bei uns sein wird. Ich habe auch von meiner Schwiegermutter ein Herz-Amulett mit Lenis Namen zum Geburtstag geschenkt bekommen und wenn ich traurig bin, dann muss ich die Kette immer ganz feste drücken, um zu merken, dass ich nicht alleine bin und sie da ist.

Das mit den Kindsbewegungen kenne ich nur zu gut. Auch als wir erfahren haben, dass ihr Herz aufgehört hat zu schlagen, war ich mir ganz sicher, dass ich sie spüre und die Ärzte sich irren müssen. Ich habe auch noch ganz lange Schwangerschaftshosen getragen, einfach um mich weiterhin schwanger zu fühlen.

Ja, wahrscheinlich ist es so, dass die Leute solche blöden Sprüche aus Unsicherheit sagen, aber meistens kommen die von Leuten, die auch Kinder haben und die müssten doch ansatzweise verstehen, wie es wäre, sein Kind zu verlieren. Klar, werden die es nie nachempfinden können, aber wenn die sich vorstellen würden, dass ihr Kind plötzlich stirbt, würden die dann auch einfach so weiter machen, nach dem Motto „Kopf hoch, das Leben geht weiter“? Also ein bisschen können die Menschen auch mitdenken und mitfühlen.

Dein Ansatz bezüglich meiner Freundin klingt gut, aber ich weiß nicht, wann ich die Kraft dazu aufbringe. Ich hab zum Glück ganz tolle Arbeitskolleginnen, die mir regelmäßig schreiben und sich trauen, mich einfach Sachen zu fragen. Ich meine, wenn ich was nicht beantworten will, dann würde ich das sagen. Ich habe mich bei denen bedankt, dass sie immer an mich denken und sie mir regelmäßig schreiben. Schön fand ich auch, dass sie mir gesagt haben, dass sie mich vermissen und wenn ich bereit bin wiederzukommen, sie immer hinter mir stehen. Solche Worte tun einfach gut.
Übrigens werde ich ab Anfang März wieder arbeiten gehen. Am Freitag werde ich meinen Chef treffen mit dem ich dann alles Weitere besprechen werde. Ich bin schon ganz gespannt. Ich meine, wenn ich jetzt nicht den Mut aufbringe, dann wird es nie passieren. ;)

Und wie geht es dir und deiner kleinen Bauchmaus sonst so?

Ann-Kathrin

unregistriert

87

Montag, 18. Februar 2019, 17:21

Liebe Anna,

wie geht es dir und deiner kleinen Maus? Wie groß und schwer ist sie jetzt?

Musst du eigentlich regelmäßig während der Schwangerschaft zum Hämostaseologen? Das ist so verrückt, sein eigenes Kind nach so langer Zeit endlich sehen zu können und klar versucht man sich immer vorzustellen, wie die Kleinen aussehen, aber die Wirklichkeit übertrifft dann alles. Hast du denn eine Tendenz, wem deine Maus ähnlicher sieht und habt ihr schon einen Namen?

Zum Glück hab ich aus diesem lang anhaltenden Loch endlich ein wenig raus gefunden. Die ganze letzte Woche ging es mir recht gut und gestern haben wir sogar Lenis Grab neu gestaltet. Diese Aufgabe tat mir sehr gut, ich habe mich sogar ein wenig darüber gefreut, was für sie tun zu können. Am Samstag hab ich schon was für sie gebastelt. Ich hatte in der Schwangerschaft angefangen für sie eine Kinderwagenkette zu basteln und mein Mann hat dafür einen aus Holz geschnitzten Bären ausgesucht, der in der Mitte (also im Bauch :) ) ein Loch hatte und in das Loch wollte ich ein Glöckchen montieren. Und das hab ich gemacht, aber anstatt den Bären an die Kette zu hängen, habe ich einen Stil montiert, so dass wir den Bären samt Glocke auf ihr Grab setzen konnten. Die Glocke ist meinem Mann sehr wichtig. Wir hatten über Weihnachten einen Elche mit einer Weihnachtsmütze und ebenfalls einer Glocke im Bauch auf ihrem Grab und immer wenn wir kommen und gehen, dann klingelt mein Mann und darauf soll er im Frühling, Sommer und Herbst natürlich nicht verzichten. Und es hat sich gut angefühlt wieder etwas für sie tun zu können. Ich habe mich sogar gefreut, dass ich ihr das basteln konnte.

Ich kann es absolut verstehen, wenn andere aus Angst oder aus welchem Grund auch immer unsere Kinder meiden. Das ist viel schlimmer als über sie zu sprechen, auch wenn man dann wahrscheinlich ein paar Tränen verdrückt. Aber sie zu ignorieren, macht es nicht besser. Das ist sehr rührend, was deine Freundin dir gesagt hat, aber es ist, wie du es schreibst, man möchte nicht irgendein Kind, man möchte sein Kind, dass man all die Monate unter seinem Herzen getragen hat. Ich sehe es wie du, dass man in einer guten Freundschaft eigentlich über alles sprechen sollte, auch wenn es schlimm ist. Daher fände ich es auch schön, wenn sie mir sagen würde, dass sie im Moment nicht darüber reden möchte. Aber es ist, wie es ist. Ich weiß, dass es irgendwann wieder besser wird.

Die Beziehung, die du zu deiner Schwester hast, rührt mich zu tränen. Die ist so viel wert. Und es ist so schön, dass für sie Amélie selbstverständlich zu ihrem und eurem Leben gehört und genauso sollte es eigentlich bei jedem sein. Sie hat sich wahrscheinlich unbewusst „richtig“ verhalten. Sie hat sich so verhalten, wie es für dich am besten war und deswegen kannst/konntest du dich auch so mit ihr mitfreuen. Sie hat alle Phasen mit dir zusammen durchlebt und das schweißt natürlich extrem zusammen. Ein wenig bin ich neidisch, dass du so eine tolle Schwester hast und sie dir so viel Halt geben konnte. ;)

Es war das erste Mal, nach der Nachricht, dass unsere Tochter nicht mehr lebt, dass wir wieder Kontakt hatten. Gut, außer den Glückwünschen zu unseren Geburtstagen. Im Moment hab ich auch keine Kraft auf sie zu zugehen. Zurzeit baue ich wieder den normalen Kontakt zu meiner Cousine auf. Meine Cousine ist für mich auch wie eine sehr gute Freundin und ich weiß von meinen Eltern, dass die Nachricht sie völlig fertig gemacht hat und als sie meine Eltern besucht hat, sie wohnen nicht weit voneinander entfernt, hat meine Mama ihr die Bilder gezeigt und sie hat wohl Rotz und Wasser geheult. Und es ist einfach schön zu sehen, dass meine Familie so viel Anteil an unserem Schicksal genommen hat, auch wenn viel über meine Eltern lief. Aber das ist ok.

Wie bereits oben schon erwähnt, werde ich Anfang März wieder arbeiten gehen. Wahrscheinlich fange ich mit 15 Stunden an. Am Freitag kommt mich mein Chef besuchen und dann besprechen wir alles Weitere. Anna, wie genau funktioniert das mit dem Hamburger-Modell? Wenn ich feststelle, dass mir 15 Stunden zu viel oder zu wenig sind, dann kann ich doch einfach reduzieren/aufstocken oder? Muss dann mein Arzt erneut einen Antrag ausfüllen für die Reduzierung? Oder wie läuft das?

Das sind gute Fragen… diese Fragen habe ich mir auch schon oft gestellt. Am Anfang habe ich mir gedacht, ich werde auf keinen Fall in den Urlaub fahren, wie konnte ich das so unbedarft und naiv bloß mit Leni machen und ich würde vor der Geburt nichts kaufen, das bringt doch nur Unglück. Aber diese Gedanken habe ich zum Glück längst über Bord geworfen. Freut man sich als Frau nicht schon immer darauf endlich Babysachen zu kaufen (außer LoLo, wie ich gelesen habe ;))? Ich weiß noch, dass ich mich bei Leni bremsen musste, sonst wäre ihr Zimmer aus allen Nähten geplatzt. Und das zeigt doch auch nur, dass wir uns auf unsere Kinder freuen und es kaum erwarten können bis sie endlich bei uns sind. Daher würde ich es wieder genauso handhaben, warum sollen wir uns nicht auch mal unbeschwert in der Schwangerschaft freuen dürfen und eine normale Schwangere sein? Ich gebe LoLo recht, wenn etwas passieren sollte, dann können wir es nicht ändern, daher müssen wir die Zeit einfach versuchen zu genießen! Natürlich, haben wir eigentlich fast alles da, schließlich hatten wir nur noch eine Woche bis zum ET, daher wären es eher Kleinigkeiten, die wir noch kaufen würden. Wir haben auch den Kinderwagen behalten. Den hatten wir schon seit dem 5. Monat, weil mein Papa es nicht mehr abwarten konnte, endlich sein neues „Auto“ zu sehen. Der Kinderwagen war ein Geschenk von meinen Eltern. Daher konnte ich den nicht weggeben und außerdem würde ich mich immer wieder für diesen entscheiden. Außerdem haben wir die großen Anschaffungen immer neutral gehalten, weil wir diese dann später dem Geschwisterchen vererbt hätten. Also, Anna, nur Mut etwas für deine kleine Maus zu kaufen!

In Sachen Urlaub haben wir uns auch schon Gedanken gemacht. Ich würde gerne erst dann in den Urlaub, wenn bei mir ein Bruder oder eine Schwester eingezogen ist. Dann würden wir gerne nach New York, aber ich möchte erst mal sehen, wie es mir zu dem Zeitpunkt dann mental geht. Ansonsten würde ich auch gerne wieder nach Mallorca, da waren wir mit Leni bereits und es war wirklich schön.

Generell zum Thema Reisen mit Kindern denke ich, dass es den Kleinen nichts ausmacht. Wenn es uns gut geht, geht es denen auch gut. Und Babies sind auch Menschen, die halten schon ein bisschen was aus. Meine Schwiegermutter hatte während der Schwangerschaft gesagt, wenn unsere Kleine erst mal da ist, dann würden wir nicht mehr so weit in den Urlaub fahren /fliegen und ich habe diese Aussage überhaupt nicht verstanden? Was spricht dagegen? Meine Eltern sind mit mir auch überall hingeflogen als ich noch ein Baby war. Aber das lässt sich jetzt leicht sagen. Wir werden sehen, wenn es endlich so weit ist ;) Ich kann verstehen, dass man sich zu Hause am sichersten fühlt, weil wir hier die Kontrolle und einen geregelten Ablauf haben. Dadurch hat man das Gefühl, das man schnell eingreifen kann.

Und Anna, die Idee mit der Antarktis ist wirklich hervorragend. Hast du mir nicht mal gesagt, wem Schlechtes widerfahren ist, der kann und darf sich ruhig viel Gutes tun und dazu zählen auch Reisen.

So ihr Lieben, ich freue mich wieder von euch zu hören!

Ann-Kathrin

Ann-Kathrin

unregistriert

88

Dienstag, 19. Februar 2019, 11:57

Hallo LoLo,

ich hab ganz vergessen, dir etwas zum Thema Kindsbewegungen zu schreiben. Ich kann mich noch genau dran erinnern, wann ich das erste Mal Leni gespürt habe. Das war auch in der 14. Woche als ich am Pool auf Mallorca lag. Ich hatte mich ganz bewusst ein paar Minuten mit meinem Bauch beschäftigt und meine Hände drauf gelegt. Und in dem Moment habe ich die ersten ganz zarten Tritte gespürt. Beim nächsten Besuch bei meiner Ärztin hatte ich sie gefragt, ob das sein könne und sie verneinte. Aber ich war mir ganz sicher. Später hatte ich das meiner Hebamme erzählt und sie stimmte zu. Wenn man generell ein gutes Körpergefühl hat, dann ist das möglich. Also denke ich schon, dass du deine Kleine schon spürst

Anna

unregistriert

89

Gestern, 07:44

Guten Morgen Ihr Lieben!

Bevor es auf zum nächsten Wochenendtrip geht, will ich Euch schreiben.

Es scheint bei uns allen momentan eine friedliche Stimmung zu geben, auch wenn sicherlich der ein oder andere Gedanke mal anklopft und die Traurigkeit nicht weg ist. Das ist gut. Ich finde, der Alltag, auch wenn gar nichts aufregendes passiert und zwischendurch Langeweile da ist, bevor ich mir das nächste überlege, ist grade sehr beruhigend für mich. Wenn wir die Zeit einfach so "rumbekommen" und genießen können, dann ist das doch was tolles!!


Liebe Lolo,

ich muss oft schmunzeln, wenn ich lese, was Du alles machst und daran denke, wie Du einmal geschrieben hast, dass Dir ohne die Arbeit zu langweilig werden könnte. Ich finde es bewundernswert, wie Du all Deine Interessen verfolgst und auslebst. Ich komme noch nicht richtig dazu, weil ich nach der Arbeit dann doch häufig kaputt bin und eine Pause brauche. Also bis auf Yoga, das allerdings dreimal pro Woche, mache ich noch nicht so viel.


Vor meinen Yogakursen erzählen die Lehrer oft etwas über die Philosophie des Yoga oder dessen Psychologie bzw. die Wirkung von Yoga auf den Körper und gleichzeitig die Psyche. Das finde ich immer schön und interessant, weil ich vieles davon selbst gemerkt habe. Was Yin Yoga ist, musste ich erstmal googeln. Das hört sich sehr passend an. Ich mache Ashtanga Yoga, ein paar Übungen aus dem Yin Yoga sind allerdings die gleichen wie im Ashtanga. Ich muss auch sagen, dass ich, so begeistert ich vom Yoga für mich bin, noch kein echter Yogi geworden bin. D.h. ich habe nur sehr rudimentäre Kenntnisse darüber.

Was für ein wunderbares Erlebnis im Wald, dass der Zweig und die Blüten für Euren Sohn noch so frisch waren. Das ist wie ein Geschenk und so positiv. Da habt ihr vielleicht richtig gezeigt bekommen, dass all das was ihr für Euren Sohn tut und empfindet, nicht vergeht und lebendig ist. Es ist bestimmt schön, so in der Natur mit Eurem Sohn verbunden zu sein!

Ich denke nicht, dass es zu früh ist, Tritte zu spüren. Du bist diejenige, die das am besten beurteilen kann :-)) Man sagt ja immer, dass Schwanger, die nicht mehr zum ersten Mal schwanger sind, die Bewegungen früher spüren. Vielleicht kann man aus der Erfahrung besser einordnen, was Tritte sind und was einfach nur ein Bauchgrummeln ist. Wir sind sicherlich auch grade sensibler, weil wir besonders auf alles achten. Ich meine auch schon recht früh etwas gespürt zu haben, aber bei mir ist die Unsicherheit, ob es doch nur ein Bauchgrummeln war solange geblieben, bis sie mir an Weihnachten wirklich in die Hand geboxt hat. Das werde ich nie vergessen.

Was das frühe Aufwachen und den Schlaf angeht, das ist bei mir genau gleich. Das liegt zum einen wohl daran, dass ich seit Anfang der Schwangerschaft an einen recht regelmäßigen Tagesrythmus habe und nicht spät schlafen gehe, weil ich abends vor Müdigkeit auf dem Sofa sonst einschlafe. Zum anderen ist es wohl die Aufregung. Wenn ich mir nachts zu viele Gedanken mache, mache ich autogenes Training, um das Gedankenkarussell zu stoppen. Ansonsten mache ich mir darüber keine großen Sorgen. Wie meine Schwester einmal gesagt hat, das sie Training für später, wenn uns die Kleinen nachts oder frühmorgens wecken!

Wie war Dein Hebammentermin? Was macht Deine Hebamme alles und was sind die Unterschiede zu einem Termin bei Deiner Ärztin?

Das, was Du Dir über die Bindung zu Eurer Tochter sagst, sage ich mir auch immer!! Die Schwangerschaft mit Amélie hat mir gezeigt, wie wertvoll jeder Tag mir ihr war und ist. Und diese Zeit sich bewusst schön zu gestalten, ist auf keinen Fall etwas schlechtes. Das werden wir nie bereuen. Es waren ja eher die Zeiten im Nachhinein, die ich nicht bewusst mit Amélie verbracht habe, die ich später sehr bereut habe. Trotzdem merke ich oft, dass es mich auch Mut kostet, die Bindung zu unserer zweiten Tochter wahrzunehmen. Aber, wie wir wohl am besten wissen, unsere Kinder sind jetzt eh schon da und nicht erst nach ihrer Geburt!!

Und wie Du schreibst, es kommt wie es kommt! So sehr mich die häufigen Kontrollen auch beruhigen und sie mir wirklich gut tun, das Gefühl und die Angst, das von heute auf morgen alles vorbei sein kann, der Körper keine Frühwarnzeichen gibt und man nichts tun kann, selbst wenn wir uns sofort ins Krankenhaus einliefern lassen, bekomme ich nicht los. Einerseits belastend und andererseits erleichternd, weil wir nicht die hundertprozentige Verantwortung über alles tragen es liegt halt nicht in unserer Hand. So wie Du schreibst, es ist allerdings besser sich auf das Vertrauen, dass alles gut geht, zu konzentrieren, als auf die Angst und solange der Körper keine Anzeichen gibt, ist erstmal alles gut!! Was soll man sich auch ohne erkennbaren Grund Sorgen machen, dann werden wir ja verrückt!!

Auf den Schluckauf unserer Kleine warte ich im Übrigen noch, wenn er kommt, werde ich sicher an Euren Sohn denken. Toll, dass ihr das auf Video habt!

Danke auch für Deine Infos zur Praeklampsie! Ich hüte mich manchmal davor, zuviel zu googeln, damit ich nicht vom Hölzchen aufs Stöckchen komme, nach dem Motto "das könnte es auch noch sein". Ich habe wegen der Eiweißwerte auch noch mal in der Arztpraxis gefragt und die meinten, die seien wirklich in einem sehr niedrigen unkritischen Bereich und ich solle mir keine Sorgen machen. Das mache ich mir in dem Punkt irgendwie auch nicht.

Falls Du oder Ihr im Übrigen nächstes Wochenende an der Nordsee seid, da sind wir auch da (auf Norderney)!

...

Anna

unregistriert

90

Gestern, 08:57

Liebe Ann-Kathrin,

erstmal tausend Dank fürs Mutmachen, etwas für unsere Kleine zu kaufen! Das hat mir richtig gut getan. Da habt ihr so gesehen natürlicheinen kleinen "Vorteil", weil ihr schon schöne Sachen zuhause habt. Ich konnte damals und habe noch all die großen Einkäufe storniert, so dass uns Kinderwagen, Maxicosy, Babybett, Wickelkommode noch fehlen. Es ist so wahr, was Du schreibst. Manchmal verstehe ich mich selbst nicht, was mich zurückhält, vor allem weil ich es nach Amélies Geburt gar nicht schlimm fand, das wir schon Sachen für sie zuhause hatten. Die mag ich auch nach wie vor sehr und ich freue mich auch ihre Sachen jetzt ihrer Schwester geben zu können. Da habt ihr

Unsere "Kleine" ist jetzt schon 860g schwer, wie groß sie ist, kann ich gar nicht sagen. Ich kenne die Formel für die Berechnung anhand der ganzen einzelnen Messdaten für Kopf-/Bauchumfang und Oberschenkelknochen nicht. Da sie im Durchschnittsbereich ist, müsste sie jetzt so um die 35cm groß sein. Letze Woche war ich bei einem Kontrolltermin und die Ärztin meinte, dass sie nächste Woche wohl die 1000g schafft und ab dann die Chancen bei einer Frühgeburt hoch und gut sind. Das fand ich beruhigend, weil auch wenn ich diese Angst habe, wie ich oben geschrieben habe.


Leider bin ich ganz schlecht darin, bei Kindern zu sagen, wem sie ähnlich sind. Bei unserer zweiten Tochter wage ich deswegen noch keine Prognose. Was ich allerdings ganz sicher sagen kann, ist, dass sie gleichzeitig ganz anders aussieht als Amélie und ihr doch ähnlich sieht. Das heißt ich sehe deutlich, sie ist ein anderer Mensch und Amélies Schwester. Ich meine auch zu merken, dass sie sich anders verhält, ohne dass ich das genau beschreiben kann. Bei Amélie hatte ich schon während der Schwangerschaft ein deutlicheres Gespür für ihren Charakter, das ist bisher etwas unbestimmter.


Wie gut, dass Du aus Deinem Loch wieder herausgefunden hast!! Und falls wieder eines kommen sollte, dann denke bitte daran, dass Du dann auch wieder herausfindest oder das Herausfinden von ganz alleine kommen wird. So ging es mir jedenfalls immer und die Löcher werden auch immer schwächer, auch wenn es einen nach wie vor heftig treffen kann. Ich habe mir dazu auch nochmal Gedanken gemacht und etwas über Trauer gelesen. Die Konfrontation mit dem Verlust ist wahnsinnig schmerzhaft, überall steht aber, dass die Konfrontation "gesund" ist und heilt. Sie kostet halt Kraft und Mut. Kraft wünsche ich Dir weiterhin und Mut hast Du!!


Die ganze letzte Woche habe ich an Euren Bären für Leni gedacht, wie wunder- wunder- wunderschön, dass ihr zusammen für sie etwas gemacht habt. Sie freut sich sicher dolle darüber und sie wird oft die Glock für Euch läuten lassen.
Ich stelle ja viele Sachen für Amélie auf oder gehe mit ihr zum Beispiel Blumen kaufen, aber wirklich gebastelt habe ich ihr erst etwas zu ihrem 1. Geburtstag. Mein Mann und ich haben Holzboote gekauft, in die wir Wachs gefüllt haben und einen Stecken mit einem Brief als Segel gesteckt haben. Die Idee kam von der Seite vergiss-mein-nie. Die Boote haben wir dann auf dem Wasser, wie eine Flaschenpost, zu ihr geschickt. Das tat auch unglaublich gut.


Ich kann es sehr gut verstehen und nachvollziehen, dass Du noch keine Kraft hast, auf Deine Freundin zuzugehen. Das hat auch Zeit, denn Du musst jetzt auf Dich und Eure Familie am meisten aufpassen. Genauso wie Du es bei Deinem Job machst, wirst Du merken, wann die Zeit dafür kommt und Du das Bedürfnis danach hast. Ich finde auch, dass gute Freundschaften nicht weglaufen und so etwas aushalten können, so wie Du auch weißt, dass es irgendwann besser wird.


Während ich früher oft so war, dass ich meist versucht habe es allen recht zu machen, habe ich vor allem während der ganzen intensiven Trauerzeit hierfür keine Kraft gehabt, das war undenkbar. Aber auch jetzt ist es noch so und mein Anspruch ist es nicht mehr, es allen recht zu machen. Also selbst wenn ich jetzt wieder etwas stabiler bin, ich höre mehr auf mich selbst und umgebe mich noch mehr mit den Menschen, die mir gut tun. Aus der Erfahrung heraus, finde ich es eben gut, dass Du Dir Zeit mit Deiner Freundin lässt und lieber momentan auf Deine Cousine zugehst. So wie Du es über meine Schwester geschrieben hast, die Anteilnahme tut uns gut und, ich denke gleichzeitig, wenn die anderen den Mut und das Mitgefühl haben, uns gegenüber offen zu sein, dann schweißt das nicht nur noch mehr zusammen, sondern man kann dann alle Gefühle wieder miteinander teilen, auch die Freude.

Deine Kolleginnen hören sich wirklich nach ganz tollen Arbeitskolleginnen an! Das wird es Dir sicher einfacher machen, wieder in den Arbeitsalltag im März zurückzukommen. Selbst wenn dann die Arbeit irgendwann wieder im Vordergrund steht, mir hat es ein Gefühl gegeben, aufgehoben zu sein, wenn jemand unsere Geschichte kannte. Ich habe mich dann weniger isoliert gefühlt. Apropo, überhaupt, der nächste große Schritt, denn Du da Anfang März machen wirst. Da bin ich feste in Gedanken bei Dir und bin gespannt, was Du berichtest und wie es Dir damit geht.

Was heißt es genau, dass Du mit 15 Stunden wieder anfängst, pro Monat oder pro Woche? Dass Dein Chef zu Dir kommt, ist ein liebes Zeichen des Entgegenkommens; es mag vielleicht nicht viel ausmachen, ob Du zu Deiner Arbeitsstelle gehst oder er zu Euch kommt, aber das macht sicher nicht jeder.
Also, das Hamburger-Modell soll Dir dienen und zusammen mit Deiner Ärztin, die Dir das verschreibt, kannst Du bestimmen, was für Dich gut ist und das kann man auch anpassen, wenn Du merkst, das ist bzw. die 15h sind zuviel oder zuwenig. Deine Ärztin muss das dann ändern, das funktioniert wie eine teilweise Krankschreibung, das ist aber kein großer Aufwand. Meine Ärztin hatte hierfür Vordrucke. Ich kann Dir eher dazu raten, es vorsichtig anzugehen, das wurde mir damals zu Recht auch geraten. Es ist für das Gefühl besser, lieber die Stunden früher als vorhergesehen aufzustocken, als irgendwann mit dem Gefühl dazustehen "das schaffe ich doch noch nicht". Das dürfte auch für die Planbarkeit des Arbeitgebers besser sein.

Was das Reisen angeht, das sehe ich wie Du, auch während der Schwangerschaft und später mit dem Baby. Es ist schön, dass ihr schon ein Ziel habt, wenn das Geschwisterchen eingezogen ist, auch wenn ihr dann sicherlich nochmal neu überlegt, wohin. Und auch für später, wenn das Geschwisterchen dann da ist, das weiß ich auch von meiner Umgebung, ist das Baby-/Kleinkindalter wohl noch die beste Zeit zum reisen ist (bevor sie laufen können), weil die Kinder dann noch nicht so viele eigene Ansprüche haben.Wenn wir alle an dem Punkt angelangt sind, an dem wir uns wieder "ganz frei" Gedanken über Reisen mit Kindern etc. machen können, haben wir dann einen weiteren großen Schritt hinter uns. und ich musste so lachen, weil ihr mir zur Antarktisreise ratet und mich an meine eigenen Worte erinnert habt. Ihr habt so recht:-)) Also mal sehen, wo unsere nächsten Reisen hingehen...

Habt ein ganz schönes und sonniges Wochenende,

Eure Anna