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Liomama

unregistriert

1

Donnerstag, 7. Februar 2019, 17:14

FG in der 9. Woche - nach Verlust unseres Sohnes in der 39. Woche

Hallo ihr Lieben,

lange habe ich hier nicht mehr geschrieben. Nach dem Verlust von unserem Sohn vor anderthalb Jahren (unser Stern Lio) nach einer vorzeitigen Plazentalösung hat mir dieses Forum und das Schreiben hier sehr geholfen.

Nun war ich wieder bzw. bin ich noch schwanger, wir waren so glücklich und voll zaghafter Zuversicht. Am Montag beim Ultraschall hat dann plötzlich das kleine Herz von unserem Krümel einfach nicht mehr geschlagen. Auch wenn so frühe Fehlgeburten häufig vorkommen, fühlen mein Mann und ich uns so leer. Warum wieder wir? Warum kann nicht jetzt wenigstens alles gut sein? Jetzt habe ich einen vollen Mutterpass, aber kein einziges lebendes Kind bei mir. Alle Träume und Vorstellungen für dieses Jahr sind zerplatzt wie eine Seifenblase. Nun sitzen wir hier und warten auf einen natürlichen Abgang. Eine Ausschabung würden wir gerne umgehen. Meine Hebamme und Frauenärztin unterstützen uns zum Glück dabei.

Unsere Gedanken kreisen vor allem um die Frage, ob wir den Embryo und die Plazenta untersuchen lassen sollten. Gibt es vielleicht doch eine Parallele zwischen den beiden Verlusten? Wir waren letztes Jahr im Frühling bei Prof. von Tempelhoff (Kollege von Prof. Heilmann) und er hat ein immunologisches Problem festgestellt. Nach langen Überlegungen haben wir uns jedoch gegen eine Immuntherapie entscheiden. Ich habe wegen unserer Vorgeschichte "nur" Progesteron wegen eines etwas niedrigen Hormonspiegels und ASS100 eingenommen.

Gibt es hier Eltern unter euch, die ähnliches erlebt haben? Vielleicht sogar auch eine Immuntherapie empfohlen bekommen oder gar durchgeführt haben? Wenn wir uns noch einmal trauen, was sollten wir unbedingt beachten?

Ich würde mich sehr über Austausch freuen.

Viele liebe Grüße,
Liomama

Maria

unregistriert

2

Dienstag, 12. Februar 2019, 09:12

Liebe Liomama,
lass dich einfach mal ganz, ganz fest drücken!
Aus deinen Zeilen sprechen so viele Gefühle. Ja, und es ist nicht wirklich ein Trost, dass frühe Fehlgeburten häufiger vorkommen. Jedes Mal geht ein menschliches Leben zu Ende, wie sollte das eine Mutter nicht berühren!

Ein bisschen kann ich deinen Zustand nachvollziehen, auch wenn wir zeitlich da schon etwas weiter weg sind. Unser erstes Kind darf leben, aber dann hatte ich mehrere Abgänge, bis ich mit Benedikt schwanger wurde. Die Freude über eine andauernde Schwangerschaft hielt leider nicht an, weil wir bereits am Ende des dritten Monats erfuhren, dass Benedikt spätestens nach der Geburt nicht mehr lange bei uns bleiben würde dürfen. Und so war es dann auch, nach drei Stunden schlief er ganz ruhig in unseren Armen ein. Nach Benedikt durfte ich noch mehrmals die "gute Hoffnung" kennenlernen, allerdings nie länger als ungefähr drei Monate. Ursachen waren nicht festzustellen, in keiner Richtung, passiert halt meinten mehrere Frauenärzte. Lediglich Progesteron musste ich bei jeder Schwangerschaft substituieren.

Wie du wollte ich Ausschabungen nicht machen lassen, aber manchmal muss man da wohl durch. Warte bitte nicht zuu lange. Bei meiner letzten Schwangerschaft wollte ich eine Ausschabung partout vermeiden, das hätte mich fast das Leben gekostet. Eine arrogante junge Ärztin setzte mir in diesem so ungeschützten Zustand dann auch noch sehr zu. Daran mag ich heute gar nicht mehr denken.

Von Immuntherapie verstehe ich nichts. Ich bin mittlerweile über das Alter hinaus, wo man guten Gewissens Kinder bekommen kann. Ich möchte dich, euch aber ermutigen, eurem Gefühl zu trauen. Es ist sicher sinnvoll, mögliche medizinische Ursachen von guten Fachleuten abklären zu lassen - und euch dann aber auf dieser Basis selber ein Bild zu machen. Vertraut eurem Gefühl, es ist jede Schwangerschaft anders. Trefft eure Entscheidungen als Paar.
In deinem Schreiben ist mir etwas sehr stark aufgefallen: dieses natürliche "wir". Es ist grad für Männer nicht immer leicht nachzuvollziehen, wie es uns Frauen in diesen Situationen geht. Ja, das eine ist der Verlust, die Trauer. Außerdem aber steckst du gerade in einer massiven hormonellen Veränderung, die der Körper und auch die Psyche erst einmal verkraften muss. Und in dieser Situation ist es einfach nur schön, sich bei seinem Partner auch mal fallenlassen zu können, aufgehoben zu fühlen. Es ist etwas ganz Kostbares, wenn man sich auf seinen Partner verlassen, stützen, und auch mal für ihn eine Stütze sein kann. Da kannst Du echt auch ein bisschen stolz auf eure Beziehung sein, so etwas ist keineswegs selbstverständlich. Ganz bestimmt braucht auch dein Partner gelegentlich dich, die Trauer von Männern ist ja ohnehin ein Kapitel für sich. Aber gemeinsam kommt ihr euch da viel Kraft geben!
Liebe Grüße und auch ein großes Kraftpaket meinerseits
Maria

Liomama

unregistriert

3

Montag, 18. Februar 2019, 22:59

Liebe Maria,

lieben Dank, dass du mir geantwortet hast. Es tut mir sehr leid, dass auch du deinen Sohn Benedikt und die vielen Sternchen hast gehen lassen müssen. Wie gemein und ungerecht... Fühl dich lieb gedrückt von mir! Ich finde du kannst stolz auf dich sein, wie klar und gleichzeitig voller Liebe du von deiner Geschichte erzählst.


Ärzte sind wirklich manchmal Unmenschen. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren so tolle, empathische Ärzte kennengelernt und welche, die naja, einem mit ein paar Worten oder Blicken den Boden unter den Füßen wegziehen.


Bei mir wurde vor anderthalb Wochen dann doch auch eine Kürettage gemacht. Mein Kreislauf hat die Blutungen und wehenartigen Schmerzen nicht gut mitgemacht. Es war glaube ich gut, dass ich mich nicht sofort zu einer OP entschieden habe und mein Körper und Kopf sich langsam etwas auf den Verlust einstellen konnte. Die Ärzte und Schwestern im Krankenhaus waren alle auch sehr lieb und ich habe mich (vor allem im Nachhinein) wirklich gut aufgehoben gefühlt. Ich war mir so sicher, dass es irgendwelche Komplikationen geben würde...


Danke für deine mutmachenden Worte. Ich sage mir fast wie ein Mantra auch immer wieder, dass jede Schwangerschaft anders ist und Lio und der Krümel nichts miteinander zu tun haben. Das haben uns fast alle auch Ärzte versichert. Es sei ein absolut beschissener Zufall.


Es ist beeindruckend wie du so zwischen den Zeilen gelesen hast. In der Tat, mein Mann und ich halten zusammen wie Pech und Schwefel, auch wenn es manchmal Streitigkeiten gibt. Ich glaube aber eher, dass diese gesund und Ausdruck unserer (unterschiedlichen) Trauer sind. Nach dem Tod von Lio hat mein Mann gesagt, dass Lio uns ein großes Geschenk gemacht hat: dass wir durch ihn noch enger zusammengewachsen sind. Das werde ich nie vergessen.


Liebe Grüße,
Liomama

Maria

unregistriert

4

Mittwoch, 6. März 2019, 10:46

Liebe Liomama,
wie geht es dir denn? Nun liegen schon einige Tage zwischen deinem Krankenhausaufenthalt, du hast es hinter dir! Ohne Komplikationen. Und wie schön, dass du den Aufenthalt dort nicht nur als negativen Eindruck erfahren hast. Gerade in so einer schwierigen Situation ist man ja auch extrem sensibel für Zwischentöne. Umso wichtiger ist es, da Menschen um sich zu haben, die ihren Beruf mit Herz ausüben. Die wissen, dass sie es mit Frauen und Männern in ganz besonderen Lebenslagen zu tun haben. Manchmal glaube ich, dass es gerade in Pflegeberufen - abgesehen von abgestumpften Dienst-nach-Vorschrift-Rabauken - trotz der ganzen Arbeitsüberlastung und nicht leicht zu verarbeitenden menschlichen Erfahrungen, die diese Berufe oftmals mit sich bringen, so ganz besonders liebenswerte Menschen gibt. Die sich eben ihr Menschsein bewahrt haben und neben der täglichen Arbeit auch ein Stück weit für ihre Anvertrauten da sind, ihnen da viel Liebe und Hoffnung mitgeben können!
Dein Mantra in allen Ehren - ich glaube nicht, dass du es bei einer möglichen neuen Schwangerschaft brauchst. Es ist doch jedes kleine Wesen völlig anders, und das wirst du auch recht bald spüren. Natürlich holt einem die Angst immer wieder ein, aber wir können sie auch wieder verabschieden, die Kraft hast du, hat auch dein Mann. Und so etwas zusammen im Guten wie im Schlechten durchzustehen ist das schon eine große Sache. In dem Satz über "Lio's Geschenk" ist eigentlich alles enthalten: eure Beziehung zueinander, die zu eurem Kind, eure Kraft im Leben, eure Zuversicht. Mehr kann man in dieser Situation nicht sagen!!!

Die Erfahrung einer so tollen Partnerschaft dürfen leider viele Frauen nicht machen.
Es gehört so viel dazu, dass ein kleiner Mensch gelingt, von der Zeugung bis zur Geburt alles gut geht. Die Garantie für einen reibungslosen Verlauf haben wir nicht, in diesem Forum wissen wir das leider alle. Aber diese Garantie hat niemand, wirklich niemand. Vermutlich ist es oftmals ganz gut, dass die meisten sich dessen nicht bewusst sind. Dennoch besteht die Chance auf dieses Wunder - und ein Wunder ist jedes kleine Kind - die hast du!
In diesem Sinne alles erdenklich Gute!

Ich denke sehr oft an euch und würde mich freuen, wieder von dir zu hören!
Alles Liebe
Maria