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Leticia

unregistriert

1

Mittwoch, 20. Mai 2020, 14:59

Fehlgeburt in 18. SSW

Hallo,
Ich muss mir einfach ein wenig was von der Seele reden...
Ich habe gestern erfanhren, dass meine kleine Tochter keinen Herzschlag mehr hat und ich die Schwangerschaft beenden müsse. Ich bin dann unter Schock mit meinem Mann ins KH, während die beiden andere Kinder bei der Tante untergekommen sind.
Die Situation war schon so schwer zu ertragen, allerdings durfte mein Mann mich zu keiner Untersuchung begleiten, da das Corona-bedingt nicht möglich sei...
Ich wurde untersucht, der Tod erneut festgestellt und dann saß ich da mutterseelenallein auf dem Stuhl und wartete auf weitere Instruktionen... Und die habe ich auch bekommen. Kein Beileid, kein mitfühlender Blick - nichts.
"ich gebe Ihnen gleich eine Tablette mit der die Schwangerschaft beendet wird und am Donnerstag werden die Wehen eingeleitet, falls vorher nichts passiert. Das Kind gebären sie natürlich und dann machen wir unter vollnarkose eine Ausschabung. Hier haben sie noch Material zu Bestattungsmöglichkeiten. " Ich saß wie versteinert auf diesem Stuhl mit einem Schwall an Informationen und wusste nicht wohin mit mir... Die Ärztin telefonierte währenddessen im lockeren Plauderton mit der Anästhesistin und der Oberärztin der Gyn, da sie sich nicht sicher war, wie man das jetzt wegen des bevorstehenden Feiertags regeln soll...
Ich bin also mit einem Berg von Zetteln wieder nach Hause und hatte eine furchtbare Nacht. Mein Baby ist tot und ich muss jetzt auf die Geburt warten. Ich habe mich in der Nacht durch hunderte Beiträge in verschiedenen Foren geklickt, Ratgeber runtergeladen und gelesen und bin um 4 Uhr für 3 Stunden eingeschlafen... Als ich wach wurde kam mit dem ersten Gedanken dieser schreckliche Tag zurück und ich konnte erstmals ungehemmt weinen.
Mit haben die vielen verschiedenen Beiträge sehr geholfen... Sie dir dein Kind unbedingt an und verabschiede dich (der Gedanke war mir gestern noch viel zu brutal), lasse dich von deinem Gefühl leiten und nicht von ärztlichen Ratschlägen... Heute morgen war die Angst vor der stillen Geburt nicht mehr so übermächtig, sondern die Trauer...
Die kleine Maus war ein absolutes Wunschkind und das lang ersehnte Mädchen...
Ich fühle mich der Situation gerade überhaupt nicht gewachsen und mich graut es unendlich vor der Endgültigkeit, die mich morgen erwartet. Ich weiß einfach nicht, wie ich mich gerade verhalten soll...

Caro

unregistriert

2

Mittwoch, 20. Mai 2020, 16:53

Hey, du schaffst das - es wird nicht einfach, aber du schaffst das.
Nimm bitte Kontakt mit den Fotografen von DeinSternenkind auf (es kann auch sein, dass das zurzeit nur das Krankenhaus machen darf). Sie machen wunderschöne Bilder von deiner Tochter und wenn dir danach ist, kannst du sie anschauen - auch wenn es erst in mehreren Jahren sein sollte. DeinSternenkind hat auch Ideen, wie trotz Corona ein Fotograf ins Krankenhaus kommen kann.
Ich wünsche dir für die nächste Zeit alles Gute und ganz viel Kraft. Genieße die Zeit mit deiner Tochter (Auch wenn das jetzt noch unmöglich klingt) es ist die einzige Zeit, die du mit ihr hast .
Fühl dich ganz fest gedrückt.

Leticia

unregistriert

3

Mittwoch, 20. Mai 2020, 18:47

Vielen Dank für deine lieben Worte.
Mein Mann war gerade ein wenig mit unserem Jüngsten spazieren und ich hatte ein wenig Zeit auch allein mit meinen Gedanken zu sein - das tat gut...
Über die DeinSternenkind-Fotos habe ich auch schon nachgedacht und die kontaktiert... Hoffentlich lässt die Klinik das zu! Jetzt wo es immer näher rückt wird es auch wieder schlimmer und ich fürchte mich richtig...
Ich weiß aber jetzt schon, dass ich mich verabschieden will - ich freue mich richtig meine Maus morgen wenigstens für einen kurzen Moment bei mir haben zu können...
Ich glaube wir steht wieder eine sehr schlaflose Nacht bevor, aber ich bin mir auch sicher, dass ich es irgendwie schaffen werde.

Liebe Grüße, Leticia

Maria

unregistriert

4

Mittwoch, 27. Mai 2020, 07:56

Liebe Leticia,
lass Dich erst mal ganz fest drücken! Manchmal fehlen einem einfach die Worte. Auch in Coronazeiten muss so etwas in der Art nicht sein. Du kannst sicher sein, in diesem Forum trauern viele mit Dir und können nachfühlen, durch welche Hölle Du gerade gehst.
Wenn ich das aus Deinen Zeilen richtig herauslese, ist Dein Mann in dieser schweren Situation bei Dir? Wie schön, es ist ja auch sein Kind. Und gegenseitig Stützen ist sooo unsagbar wichtig, in der gegenwärtigen Situation unbeschreiblich viel mehr. Zumal Du auch mal Zeit für Dich hast, die brauchst Du momentan vermutlich sehr.

Wie hat sich das mit dem Sternenkind-Fotografen weiter entwickelt?

Ich wünsche Dir alles erdenklich Liebe und einen hellen Sonnenstrahl direkt in Dein verwundetes Herz
Maria