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Judith

unregistriert

1

Sonntag, 3. März 2013, 20:39

Was tun gegen die "Leere"?

Ohne zu wissen, dass es zu so vielen Komplikationen (Gemessen
an den Vorkommen bei allen Frauen) in so
späten Schwangerschaftswochen kommen kann, habe ich nun euer Hilfreiches Forum
entdeckt und hoffe auch auf Hilfe.


Noch nicht mal eine Woche her, vergangenen Montag, habe ich
in der 28. SSW bei der Routineuntersuchung bei meiner Frauenärztin erfahren,
dass mein Sohn seid der 25. SSW
unterversorgt ist, kein Herzchen mehr schlägt und kein Fruchtwasser mehr
drinnen ist.


Mein Mann wurde dazu gerufen (von der Arbeit) und wir wurden
in die Uniklnik geschickt – hier wurde der Befund meiner Frauenärztin
bestätigt.


Nach einer glücklicherweise sehr kurzen Geburt (4 Stunden,
ich hatte vermutlich daheim schon wehen gehabt) bin ich nun wieder zu hause.


Vor der Geburt hatte ich Angst, weil ich ja wusste, dass er Tod
war. Im Nachhinein war die Geburt jedoch trotzdem irgendwie schön, weil man
etwas unter totalem Schmerz geschafft hat. Ja, nur was jetzt fehlt, ist das
Ergebnis. Der Schmerz ist überwunden, im Körper kein kleines Kind mehr – aber auch
draußen ist keins zu hören und zu sehen.


Wir konnten unseren kleinen Jonas 20 Minuten auf dem Arm
halten – erst waren wir unsicher, ob wir es wirklich wollen. Aber es war so ein
verdammt kostbarer und wunderbarer Moment. Er hatte meine Stupsnase und die
langen, dünnen Finger meines Mannes. Er war so schön


Die Nachwehen sind ziemlich vorbei, doch der Muskelkater der
Mutterbänder, das Wasser in den Armen und Beinen, die Nachblutungen – all das
Erinnert noch an unseren Spatz, allein körperlich.


Mein Mann und ich wir reden häufig über Jonas, nehmen uns in
den schwachen Momenten in den Arm. Unsere Hebamme und auch unsere Therapeutin,
bei der wir bisher einmal waren, hat uns gesagt, dass wir alles richtig machen
und das wir sehr stolz auf uns sein können und wir sehr stark sind und ein
tolles Team. Das hat gut getan zu hören, das wir auf einem richtigen Weg sind,
aber die Schmerzhaften Momente nehmen einfach nicht ab. Gerade in den intimen
Momenten, beim zu Bett gehen z.B.


Mein Mann unterstützt mich wirklich sehr, aber unser Jonas
fehlt uns so. wir haben ihm täglich im Bauch vorgesungen, abends durfte er
immer seine Spieluhr hören. Außerdem haben wir ihn durch den Bauch immer gestreichelt und ihn gefühlt,
wenn er mich gekitzelt oder in mir getreten hat.


Bitte erzählt mir, wie ihr diese Leere, dieses nichtstun
wegbekommen hat. Alles fühlt sich so langweilig ?und unnütz an. Fernsehen,
spazieren gehen usw. gerne möchte man die Zeit einfach mit seinem kleinen Spatz
verbringen, den man geboren hat, aber der unser Leben nie mit seinem Dasein bereichern
konnte.


Die Schwangerschaft, die Geburt – all das waren trotz
schwerer Momente die schönsten Dinge in meinem Leben,aber jetzt fehlt wie
gesagt das „Ergebnis“ dieser Zeit.


Ich hoffe Ihr könnt uns helfen – klar, ist das ganze erst
eine knappe Woche her, aber wir sind momentan etwas überfordert mit allem.

Vielen Dank,
Judith

kleine Raupe

unregistriert

2

Montag, 4. März 2013, 08:24

Willkommen

Liebe Judith,

ein trauriges Willkommen hier im Forum. Ich fühle mit dir.
Ich nehme an, da der Verlust eures kleinen Jonas erst eine Woche her ist, seid ihr noch im Schockstadium.
Ich weiß nicht wie wir vor 11 Monaten den Tod unseres Sohnes, er war 3 Monate alt, plötzlicher Kindstod, überlebt haben aber der Körper fällt erstmal automatisch in eine Starre um diese schrecklichen, Stunden, Tage und Monate irgendwie rumzubekommen.
Ich hoffe du bist erstmal zu Hause und betreut von einem Seelsorger oder deiner Hebamme, uns hat damals leider niemand aufgeklärt was der Verlust alles mit einem anstellen kann.
Ohne dir Angst machen zu wollen, die Leere, die Gefühlslosigkeit, die Sinnlosogkeit wird lange dauern, da gibt es keine Zeit, kein Rezept...
Ich wünsche euch viel Kraft für die nächste Zeit.

Ganz liebe Grüße von Julia mit William im Herzen

Tanjamutti

unregistriert

3

Dienstag, 5. März 2013, 15:49

Hallo Judith!

Auch von mir ein stilles Willkommen in diesem Forum!

Bei mir selber ist es fast 1 1/2 Jahre her,das ich hier Trost suchte in einer wirren Zeit des Gefühlschaos.

Ich habe meine Tochter Tanja in der 40.SSW völlig unerwartet still geboren.Ich bin mit regelmäßigen Wehen ins KKH und dort am CTG wurden keine Herztöne mehr festgestellt.3 Tage vorher bei der Vorsorge war noch alles o.K...

Auch wir/ich empfand(en) die Geburt als wunderschön und die 2 Stunden mit unserer Tochter werden wir nie vergessen.

Zu Hause kam dann die große Leere,mein Mann hat krank gemacht,damit wir gemeinsam trauern konnten.Als er wieder arbeiten musste,habe ich Hilfe im Internet gesucht,damit ich nicht den ganzen Tag "alleine" bin.
Ich bin nach 8 Wochen Muschu wieder arbeiten gegangen,das war für mich das Beste!Rauskommen,wieder Alltag erleben,den üblichen Trott halt...

Und ich wusste: Ich will wieder schwanger werden!So haben wir an Baby Nr. 2 gearbeitet,so verging die Zeit wie im Flug und zu Tanjas 1. Sternengeburtstag war ich schon im 6. Monat schwanger mit ihrem Bruder,der jetzt wie ein Engel im Bettchen neben mir schläft :love: .

Das wichtigste ist immer: Reden!Ich habe mit meinem Mann und unserer Familie jetzt ein noch innigeres Verhältnis,denn uns hat dieser Verlust gestärkt.Unsere Tochter hat uns ein wunderbares geschenk gemacht,das Bewusstsein,was LEBEN bedeutet und wir sind so dankbar für unseren gesunden Sohn!

Liebe Grüße Ivonne

10.04.2010

unregistriert

4

Samstag, 23. März 2013, 22:35

Liebe Judith,

Ich glaube ein Patentrezept gegen die "Leere" gibt es nicht. Ich hab nach einiger Zeit festgestellt, so knapp einen Monat danach...(danach bedeutet bei mir der Tod meiner Tochter in der 40. SW.) das ich den Alltag vermisse...die Normalität...bestimmte Freunde (nicht alle). Kurz gesagt ..ich wollte zurück ins Leben...ich hatte einfach keine Lust mehr mitanzusehen wie manche Leute mich mieden aus Angst und Unsicherheit sie könnten etwas Falsches sagen oder tun. Ich wollte mein Leben zurück!

Ich hab meinen Chef angerufen und ihn gefragt ob ich wieder arbeiten kommen kann, hab dann meinen Mutterschutz um 10 Tage verkürzt. Für mich war es genau das Richtige und meinem Chef werd ich ewig dankbar sein.Aber wie gesagt für mich war es das Beste was ich tun konnte. Du musst in dich reinhören..es gibt auch viele Frauen die ihren Mutterschutz verlängert haben um eben nicht direkt wieder arbeiten zu müssen..

Ich hoffe ich konnte dir helfen,

liebe Grüße

Kathrin

Limone

unregistriert

5

Montag, 1. April 2013, 19:02

Liebe Judith,

zunächst einmal. Herzlich Willkommen, auch wenn es kein schöner Anlaß ist, daß man sich trifft. Wie geht es dir 4 Wochen später? Es tut mir so leid, daß auch ihr euren kleinen Jonas habt gehen lassen müssen. Es gibt keine Worte und es ist einfach unbegreiflich, warum ein Baby stirbt. Ich verstehe es noch immer nicht.

Auch ich empfinde wie du diese totale Leere und das ist das Schlimmste. Diese Leere, Einsamkeit, dieser Schmerz. Alles erscheint so sinnlos. Arbeiten gehen ist sinnlos, einkaufen, essen, einfach alles....wozu alles? Oder müssen wir erst durch dieses tiefe Tal gehen, damit wir irgendwann die Höhe erst richtig genießen können? Ich habe morgen die Nachuntersuchung bei meiner Frauenärztin und bin jetzt schon nervös. Was wird sie mir sagen? Ist alles gut verheilt oder sind "Reste" in der Gebärmutter geblieben? Kann ich noch Kinder bekommen? Vielleicht müssen wir die wenigen, glücklichen Momente ganz doll festhalten und intensiver genießen als früher.

Ich merke gerade ganz stark, dass nur eine erneute SS mich etwas glücklicher machen würde. Denkst du auch schon daran? Und dann sehe ich meine biologische Uhr ganz laut ticken, mit 37 bin ich eben auch nicht mehr die Jüngste.....

Ich wünsche dir ein paar Sonnenstrahlen in dein Herz
Limone

Judith

unregistriert

6

Dienstag, 2. April 2013, 18:50

Ich habe wieder angefangen zu arbeiten - aber richtig dauerhaft konzentrieren kann ich mich nicht. Stress macht mich auch sehr schnell müde und erschöpft

war auch schon bei meiner ärztin - eig. dachten wir, wir lassen jetzt alles bzgl. einer neuen Schwangerschaft auf uns zukommen ohne zu planen usw. - allerdings sollen wir erst einen humangenetischen Test machen. der termin ist nächste woche - lust darauf habe ich keine. ich will eig. nichts planen usw., was mit einem Leben zu tun hat. scheiß gedanke :(

obduktionsergebnisse sind weiterhin nicht da - außerdem soll ich noch zum internisten und meine organe prüfen lassen und blutdruck-dauertest usw. machen - so viel action jetzt noch ist auch nicht angenehm und tut auch nicht gut :(

würde auch gerne wieder ein baby bekommen und hab Angst davor, dass ich nicht mehr schwanger sein sollte. war echt das schönste gefühl in meinem leben - diese Monate mit Jonas.

Meinem Mann und mir geht es ganz gut mittlerweile - nächste Woche ist Jonas beerdigung. mal sehen, wie es wird. nunja, die letzte woche haben wir an zwei abenden geweint - waren oft mit meinem neffen (1 Jahr) unterwegs und das weckt schon Sehnsucht nach Jonas....

Wann und warum hast du dein Baby tod auf die Welt bringen müssen?

Limone

unregistriert

7

Mittwoch, 3. April 2013, 20:40

Das mit den Konzentrationsproblemen kenne ich auch. Es fällt mir auch gerade sehr schwer, mich überhaupt auf irgend etwas zu konzentrieren. Wann das wohl besser wird? Ich bin auch gar nicht gelassen momentan. Alles geht schwerer von der Hand. Und trotzdem tut mir das Arbeiten auch gut weil ich dann in einer anderen Welt bin und Struktur habe.

Habt ihr mittlerweile die Obduktionsergebnisse? Warum sollst du dich soviel untersuchen lassen? Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft für die Beerdigung. Ich denke, das ist nochmal ein ganz wichtiger Schritt und sehr gut einen Ort zu haben, wo man seine Trauer ausleben kann. Ich war heute nachmittag auch an Jules Grab und habe ihr ein Windrad hingestellt. Ich bin sehr gerne dort und merke, wie gut mir das tut, diesen Ort zu haben.

Ich habe Jule am 18.02. in der 19 ssw. still zur Welt gebracht. Die Geburt wurde mit Tabletten eingeleitet und es ging Gott sei Dank recht schnell und die Geburt war richtig schön, wenn man das sagen kann. Ich hatte eine leichte Schmierblutung, bin dann sonntags in die Uniklinik und die haben Ultraschall gemacht und festgestellt, daß Jules Herzchen nicht mehr schlug. Die Ärzte sagten uns, dass Sie 4x die Nabelschnur fest um den Hals hatte. Mein Mann und ich haben es selbst nicht gesehen. Die Obduktion hat nichts ergeben. Ein gesundes, kleines Mädchen. Ich glaube, ich bin jetzt in der Phase, wo die Betäubung und der Schock nachläßt und diese Leere einfach kommt und auch diese Sehnsucht.

Machst du/ihr irgend eine Therapie oder geht in eine Trauergruppe? Ich würde so gerne in eine Gruppe gehen, aber leider sagen dir mir immer, dass keine zustande kommt, weil sich zu wenig melden. Schade. Ich habe eine Trauerbegleiterin, zu der ich 1x im Monat gehe. Es ist ganz gut. Gestern war ich bei meiner Frauenärztin und sie war sehr zufrieden. Es ist alles gut verheilt. Ich hatte sogar schon meine Tage zum ersten Mal wieder.

Liebe Grüße,
Limone.

Judith

unregistriert

8

Freitag, 5. April 2013, 09:40

bei mir ist auch alles gut verheilt - meine ärztin hat mir zu allen tests geraten um alles auszuschließen fürs nächste mal. hab aber eben angst, dass es kein nächstes mal mehr gibt. je nachdem, was da halt überall rauskommt :(

wir sind bei einer seelsorgerin gewesen - mein mann und ich. außerdem habe ich mit im bekanntenkreis mit einer frau getroffen, die auch ein totes kind hat - es starb einen tag nach der Geburt. im gegensatz zu mir hat sie es jedoch seit beginn an der schwangerschaft gewusst. sie konnnte sich quasi vorbereiten, bei mir war es ein schock, dass jonas tod war. dennoch hat mir das gespräch sehr geholfen - ich würde dir auch dazu raten, gerade wenn du interesse daran hast :) persönliches austauschen ist immer einfacher und auch befreiender, als hier im Internet

am Montag ist ein ökonomischer Gottesdienst an seinem Kindergrab (haben uns für ein Sammelgrab entschieden). der erste für uns, bin mal gespannt,wie das wird und wie wir uns fühlen. am grab waren wir bisher einmal, er ist allerdings erst seit der letzten woche beerdigt.

die obduktionsergebnisse liegen weiterhin nicht vor....ich denke auch nicht, diese in den nächsten tagen zu erhalten. 2-3 wohen wird es wohl noch dauern :(