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Ulrike

unregistriert

1

Sonntag, 16. Dezember 2001, 11:39

Ich habe einen Tag vor dem Geburtstermin von unserem Sohn Daniel erfahren, daß er nicht mehr lebt.Er starb am 3. Juli.2000.Wir dachten eine Welt bricht für uns zusammen, da Daniel ein Wunschkind war.Er wurde per Kaiserschnitt auf die Welt geholt.Danach haben wir uns lange von ihm verabschiedet.Aber der Tot von Daniel hat unsere kleine Familie im nachhinein sehr zusammengeschweist. Wir haben jetzt noch eine Tochter bekommen. aber unser Sohn wird immer ein Teil von uns bleiben.

Marion

unregistriert

2

Sonntag, 16. Dezember 2001, 12:32

Hallo Ulrike,
herzliche Willkommen in diesem Forum.Der Grund ist zwar ein trauriger,aber trotzdem finde ich es schön, das man "Gleichgesinnte" kennenlernt.
Auch wir haben unsere Tochter tot geboren, und gerade jetzt vor Weihnachten ist es für mich der Horror.Am Samstag fliegen wir auch in den Urlaub.Manche mögen jetzt meinen, das es nur eine Flucht vor der Realität ist, aber das ist mir egal.Ich habe dieses Jahr nicht die Kraft, weihnachten mit der Familie zu feiern.

Hat man bei Euch herrausgefunden warum Euer Kleiner Sohn sterben mußte?Bei uns ist die Sache nie geklärt worden.
Wie war denn die zweite SS für Dich?
Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag.
Marion mit Michelle im Herzen.


Ulrike

unregistriert

3

Sonntag, 16. Dezember 2001, 17:15

Hallo Marion!
Unser Sohn ist an einer Nabelschnurumschlingung gestorben, wir haben ihm auch obdutieren lassen und war kern gesund. Wir sind auch im August mit unseren ersten Sohn in Urlaub gefahren. Es hat uns allen gut getan.
Meine weitere Schwangerschaft war nicht schön, da wir große Angst hatten,ich emens Zucker hatte und wie ich zu den OP Vorbereitungen ins Krankenhaus mußte wieder alles holter die polter ging, unsere Tochter mußte dann eine Woche in die Kinderklinik, ich ging nach 1,5 Tagen Kaiserschnitt nach Hause. Aber trotz allem,wars schön.

Alexandra

unregistriert

4

Sonntag, 16. Dezember 2001, 18:23

Liebe Ulrike,
was für ein trauriger und schwerer Verlust. Der Tod Deines Sohnes liegt ja noch gar nicht lange zurück.
Ich freue mich für Euch, daß Ihr eine gesunde Tochter bekommen habt kann mir aber gut vorstellen, daß Deine Situation im Moment nicht sehr leicht ist.
Du bist nach dem Tod Deines Sohnes sehr schnell wieder schwanger geworden und damit war für die "Außenwelt" der Verlust Deines Sohnes wieder gut gemacht. Jetzt hast Du Dein gesundes Baby zuhause und "darfst" vielleicht erst recht nicht mehr über Deinen kleinen Jungen reden.

Du hast das sehr schön gesagt: Euer Sohn wird immer ein Teil von Euch bleiben. So soll es sein! Ich finde es auch ganz großartig von Dir, daß Du Dich hier im Forum eingeschrieben hast. Wie heißt denn Dein Sohn?
Ich würde mich freuen wieder von Dir zu hören.
Liebe Grüße
Alexandra


ulrike

unregistriert

5

Sonntag, 16. Dezember 2001, 20:13

hallo Alexandra
Unser Sohn heißt Daniel und sein Tot liegt jetzt 2,5 Jahre zurück.Er hat aber bei uns viel bewirkt und verändert.Fremde, die man flüchtig kannte wurden zu ganz guten Freunde und gute Freunde wurden zu Fremden. Ein Arbeitskollege meines Mannes ereilte dieses Schicksal als ich mit Daniel schwanger war und ich dachte sowas kann uns nie passieren,falsch gedacht. Sie sind heute die Taufpaten meiner Tochter und wir sind die Taufpatenihres Sohnes der 10 Tage nach unserer Tochter zur Welt kam. Durch sie fand ich auch Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, die mir heute sehr Wichtig ist. Ich bin auch am Aufbau einer Gruppe in unserem Ort beteiligt. Bei uns wurde erst kürzlich ein Grab eingeweiht, wo man Frühchen bestatten kann. Mein 7 Jahre alter Sohn geht ganz normal mit dem Tot seines Bruders um. Er geht oft mit zum Grab von Daniel und wir reden und weinen auch oft und zusammen um ihn. Ich habe erst heute gelesen, daß Kinder erst mit 9 Jahren den Tot begreifen. Ich denke manche Kinder müßen oft schon früher begreifen lernen.
Liebe Grüße Uli

Alexandra

unregistriert

6

Montag, 17. Dezember 2001, 18:05

Liebe Uli,
daß Dein 7-jähriger Sohn mit dem Tod seines Brüderchens gut umgehen kann ist einzig und allein Euer verdienst. Ich finde es auch sehr wichtig, daß Geschwister auch wenn sie noch klein sind das Leid und die Trauer ihrer Eltern verstehen und mittrauern dürfen, wenn ihnen danach ist. Das gibt ihnen Sicherheit.
Deine Initiative eine Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen finde ich ganz großartig. Bei den Verwaisten Eltern e.V. kannst Du sehr hilfreiche Unterlagen zu Deinem Vorhaben anfordern. z.B. "Arbeitshilfen: Eltern trauern um ihr totes neugeborenes Kind, Hinweise zur seelsorglichen Begleitung" und "Die Zeit der Trauer, Eine Hilfe für Trauernde und Begleitende", "Die vier Phasen der Trauer - Ja zur Trauer heißt Ja zu Leben". u.s.w.
Leider gibt es viel zu wenig Selbsthilfegruppen und so unendlich viele betroffene Eltern. Vielleicht könntest Du Dich mit dem Gedanken anfreunden, Deine Gruppe bei den Verwaisten Eltern einzutragen, damit der Verein an Dich weiter vermitteln kann.
Viele Grüße
Alexandra

Ulrike

unregistriert

7

Montag, 17. Dezember 2001, 20:05

Hallo Alexandra!
Wir sind erst im Aufbau dieser Gruppe und werden vom Hospizverein unterstützt.
Ich finde Deine Arbeit sehr Klasse, denn ich hoffe sie wird vielen helfen.

Bei uns war auch dieses Jahr Allerheiligen ein Artikel in der örtlichen Presse um der Allgemeinheit dieses Thema etwas näher zu bringen. Wenn Du möchtest kann ich dir diesen Artikel zusenden. Denn dieses Thema wird bei uns auf dem Land irgendwie totgeschwiegen und manchen wird dadurch bewußt das es immer mehr vorkommt.
Liebe Grüße Ulrike mit Daniel


Alexandra

unregistriert

8

Montag, 17. Dezember 2001, 20:35

Oh ja, Ulrike, der Artikel würde mich sehr interessieren. Es wäre sehr nett, wenn Du ihn mir schicken könntest. Vielen Dank!
Viele Grüße
Alexandra

Ellen

unregistriert

9

Montag, 17. Dezember 2001, 20:53

Liebe Ulrike,

es ist immer schön, jemanden kennenzulernen und hier doch gleichzeitig immer schrecklich, denn man weiß, daß dann auch diesem jemand großes Leid widerfahren ist. Mein Sohn - übrigens heißt er auch Daniel - wurde am 18. September tot geboren. Auch er soll angeblich an einer Nabelschnurumschlingung gestorben sein, aber wie das meistens so ist, weiß man es nicht genau.

Du schreibst, in der örtlichen Presse sei ein Artikel zu Allerheiligen gewesen - auch in unserem Anzeiger war zu diesem Zeitpunkt etwas drin - Du bist nicht zufällig aus Niedersachsen?

Was mir noch einfällt: Vielleicht möchtest Du auch das Buch "Kinder und Tod" von Elisabeth Kübler-Ross lesen, das mich sehr getröstet und mir viel Hoffnung gegeben hat. Ich freue mich sehr für Dich, daß Dir das Glück zuteil wurde, noch ein gesundes Mädchen zu bekommen und hoffe, daß mir etwas ähnliches irgendwann auch in der Zukunft gelingen wird - noch ist alles zu frisch. Ich weiß übrigens genau was Du meinst, wenn Du von dem Arbeitskollegen Deines Mannes und Eurer Reaktion schreibst. Man glaubt einfach keine Sekunde daran, daß einem so etwas passieren könnte (und wenn, erstickt man den Gedanken schon im Ansatz) - das passiert doch immer nur den anderen... wie Du schon schreibst, falsch gedacht. Uns ging es genauso, meine Freundin verlor ihre Kinder, eine Bekannte von uns... und alle haben mir gesagt "Nein, nein, beruhige Dich, DIR passiert sowas nicht, Du bist ja schon weiter." Welch unglaublicher Irrtum das war, wissen wir jetzt leider nur zu genau. Die gleichen Leute, die damals meinten, das uns "das" nicht anfechten sollte, sind jetzt allerdings auch die, die der Meinung sind, wir sollten jetzt mal baldmöglichst mit "dem Thema" abschließen, beim nächsten Mal ginge dann ganz sicher alles glatt. Na, da habe ich zum einen anderes gehört und zum zweiten läßt sich der Tod eines Kindes ja nun wirklich nicht nach einer vordefinierten Zeit abhandeln, um dann zur Tagesordnung überzugehen - es ist ja nun nicht gerade so, als sei mir meine Kaffekanne runtergefallen und ich bräuchte jetzt eine neue! Wenn man den einen oder anderen allerdings so reden hört, scheint es für den oder die doch so einfach zu sein. Ein neues Kind und alles ist wieder in Butter... Ist schon eine gigantische Erfahrung (leider halt eine gigantisch negative), wie unsensibel viele Leute sind oder sein können! Leider machen wir alle in dieser Beziehung die gleichen oder doch zumindest ähnliche Erfahrungen.

Wie heißt denn Deine Tochter und wann wurde sie geboren?

Liebe Ulrike, toll, daß Ihr eine neue Ortsgruppe ins Leben rufen wollt, man kann gar nicht genug Hilfe und Gespräche anbieten!

Laß von Dir hören,
liebe Grüße,
Ellen